Darum bemüht, mit seiner Feno nicht zum Objekt selbstherrlich agierender, auf eine Zerschlagung hinwirkender Großaktionäre zu werden, hatte sich der Defensivstratege Blaschke schon frühzeitig der Unterstützung der Arbeitnehmerfraktion im paritätisch besetzten Aufsichtsrat versichert. Vor allem mit dem stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Schultze, Vorstandsmitglied der IG Chemie-Papier-Keramik, stimmt sich Blaschke, dessen Vater in einem Stahlwerk vom einfachen Arbeiter zum Werksleiter aufgestiegen war, bis heute in allen wichtigen Fragen frühzeitig ab. Schon während dieser ersten "unfreundlichen Übernahme" bei einer namhaften deutschen Gesellschaft zeigte sich damit, daß die einst vielgeschmähte Mitbestimmung ein wichtiger Pfeiler im Abwehrbollwerk des Managements ist. Unisono mahnten denn auch Blaschke und Schultze bei ihrem Großaktionär selbstbewußt ein schlüssiges Feno-Konzept an.

Als Mehrheitsaktionär mit nur fünf Prozent Stimmanteil befand sich die Veba bei Feno in einer verzwickten Lage. Der verkannte Feno-Chef hatte den Beweis dafür geliefert, daß der Vorstand eines in seiner Unabhängigkeit bedrohten Unternehmens durchaus in der Lage ist, einem ungeliebten Großaktionär Steine in den Weg zu legen: Nach einer erfolgreichen Strukturbereinigung bei Dynamit Nobel und dem einstigen Sorgenkind Buderus konnte Heribert Blaschke schon 1990 ansehnliche Gewinnsteigerungen ausweisen. Die Folge: Der durch neuerliche Spekulationskäufe zusätzlich in die Höhe getriebene Feno-Kurs lief den Veba-Managern weg.

Als nach dem Tod von Bennigsen-Foerders im Oktober 1989 dessen Nachfolger Klaus Piltz den halbherzigen Übernahmeversuch kurzerhand abbrach und sein Aktienpaket im vorigen Jahr an den zum schwedischen Wallenberg-Imperium gehörenden Papierkonzern Stora Kopparbergs Bergslags AB weiterreichte, mußten die Skandinavier für die Majorität und die danach fast vollständig erworbenen restlichen Papiere bereits vier Milliarden Mark auf den Tisch legen – doppelt soviel wie der Börsenverkauf vier Jahre zuvor erbracht hatte.

Stora-Chef Bo Berggren, das war der Feno-Spitze klar, würde sein gewaltiges Finanzengagement durch einen Weiterverkauf der Konzernanteile außerhalb der Papierproduktion so bald wie möglich erträglicher zu machen versuchen. Aber wie schon gegenüber der Veba, so machte Blaschke auch den Schweden unmißverständlich klar, daß die "Rest-Feno" nicht zerschlagen werden dürfe. Am liebsten wäre es Blaschke gewesen, wenn Stora den um den Papierbereich "erleichterten" Konzern wieder an die Börse gebracht hätte.

Der "Steuerfuchs" entwickelte aber auch das Modell einer sogenannten Realteilung. Anders als bei einem Ausverkauf der zur Disposition stehenden Aktivitäten aus der Feno, bei dem durch die Aufdeckung stiller Reserven hohe Steuern auf die Buchgewinne fällig würden, wäre diese Form der Konzernaufspaltung steuerneutral. Da hierbei aber die Finanzbehörden mitspielen müssen, ließ der erfahrene Taktiker sein Konzept über die Arbeitnehmervertreter vorsichtig bei einflußreichen SPD-Landespolitikern ins Gespräch bringen.

Heißes Bietgefecht

Um der Sache einen regionalwirtschaftlichen Anstrich zu geben, beauftragte Blaschke im vorigen Jahr die Westdeutsche Landesbank, mit einem industriellen Partner einen Übernahmeplan auszuarbeiten. Im Falle einer Realteilung würde, wie Heribert Blaschke zudem wußte, jeder Erwerber die Auflage erfüllen müssen, den Konzern mindestens fünf Jahre lang nicht zu zerschlagen.