Hannover

Kommt sie oder kommt sie nicht? Wer derzeit diese Frage in Hannover stellt, muß nicht erst klären, daß er von der Weltausstellung spricht. Die Expo 2000 ist in aller Munde. Ob das dritte Jahrtausend allerdings tatsächlich in Hannover beginnt, wie es seit Wochen die Expo-Hochglanzbroschüren versprechen, ist inzwischen buchstäblich zur Preisfrage geworden.

Die hochfliegenden Entwürfe sind in den Schatten niederdrückender Geldsorgen getreten. Aus dem Traum von der Öko-Metropole – Motto: Mensch-Natur-Technik – ist nach dem Bonner Kassensturz ein Alptraum geworden: Die Angst vor einer gigantischen Finanzierungslücke geht um. Hatte man bisher fest damit rechnen können, daß sich der Bund an den Milliardenkosten beteiligen werde, so tönte es plötzlich ganz anders aus der Bundeshauptstadt.

Otto Graf Lambsdorff machte den Anfang. "Am besten wäre ein sofortiges Nein", verkündete der FDP-Chef bei den Koalitionsgesprächen angesichts der steigenden Kosten der deutschen Einheit. "Wenn jetzt die Vorbereitung nicht abgebrochen wird, stecken wir schon mit einem Fuß im Morast. Dann gibt’s womöglich kein Zurück mehr." Seine Parteifreundin Bauministerin Irmgard Adam-Schwaetzer stieß ins selbe Horn. "Es gibt im Moment wichtigere Dinge", meinte sie zu den Geldwünschen der Hannoveraner, die sich auf 4,2 Milliarden belaufen. Und auch Finanzminister Theo Waigl machte sich für den Ausstieg stark. "Nicht alle Blütenträume können reifen", hieß es lapidar aus seinem Haus.

"Stinksauer" reagierte daraufhin der niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder, den die schlimme Botschaft in seinem Urlaubsdomizil auf der Insel Wangerooge erreicht hatte. Er will nun am 10. September ein ernstes Wort mit Helmut Kohl sprechen. Offen ist gegenwärtig noch, ob der Bundeskanzler auf seinen Finanzminister oder auf seinen Wirtschaftsminister hören wird. Denn anders als seine FDP-Parteikollegen hält Jürgen Möllemann an der Expo fest – allerdings an einer sparsameren Version "ohne Sperenzchen", wie er in einem Gespräch mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung betonte.

In Niedersachsen geizte man bislang nicht mit finanziellen Vorleistungen. Rund 40 Millionen Mark werden Stadt und Land bis Ende des Jahres schon in die Weltausstellung investiert haben. Allein Hannover ist mit knapp 21 Millionen Mark und 25 Stellen dabei. Keinen Pfennig aber sieht bisher der Bundesetat 1992 für die Mammutveranstaltung vor.

Kaum ein Tag vergeht, an dem das Thema Expo nicht in der niedersächsischen Landeshauptstadt für Schlagzeilen sorgt. Wenn sich die beiden örtlichen Tageszeitungen auch in ihrer politischen Ausrichtung unterscheiden – in Sachen Weltausstellung ziehen sie an einem Strang und tun das Ihre, auf daß das dritte Jahrtausend auch wirklich in Hannover eingeläutet werde.