Zum Beispiel Frankfurt: Wie läßt sich die Kriminalität in den Großstädten bekämpfen?

Von Norbert Kostede

Frankfurt, im September

Gut, daß es Menschen gibt, die nicht bei jedem Pistolenschuß in Panik geraten. "Wo sollten wir denn hingehen? Drogen, Gewalt und Kriminalität gibt es überall." Der alte Doktor Burgard, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, fährt mit einer dicken Zigarre in der Hand über das Panorama: "Sehen Sie, dies ist das schöne Frankfurt!" Aus dem 31. Stock der Bankzentrale fällt der Blick auf die reiche Mainmetropole, die wieder einmal als deutsches Chicago von sich Reden macht. Unten sprenkeln farbige Tupfer das Grün – glückliche Leute im Park.

Dort unten sitzt irgendwo Maria. Eine halbe Stunde zuvor stieß sie die Nadel in eine Ader auf ihrem Handrücken. Schwarzhaarig, schwarz gekleidet, blasser Teint – unter den zweihundert Armutsfixern im Lesegarten der Frankfurter Taunusanlage fiel die junge Frau durch eine gewisse Eleganz auf. Eine Prostituierte. Sie stolpert schließlich auf Stöckelschuhen zu einer nahegelegenen Bank und schaut an den kaltblauen Zwillingstürmen der Deutschen Bank vorbei in den Himmel – glückliche Leute im Park.

Soll und Haben, so heißen die beiden Hochhaustürme. Soll und Haben, das gilt auch für die beiden Gesellschaften, die auf dem Quadratkilometer des Frankfurter Bahnhofsviertels so kraß aufeinanderstoßen wie sonst nirgends in der Bundesrepublik: Banker und Junkies, elegante Handelsvertreter und zahnlose Penner, Karrierefrauen und Huren, Gangster und Geschäftsleute. Die eine Gesellschaft hat – zum Beispiel Arbeit, Geld, Wohnungen. Die andere Gesellschaft soll – am besten verschwinden.

Die erste Gesellschaft verbannt alles Kriminelle aus ihrem Gesichtskreis und ächtet Gewalt. Sie ist auf der beständigen Suche nach Sicherheit. Zu wechselnden Zeiten und auf wechselnden Routen fährt Burgard jeden Tag bis in die überwachte Tiefgarage der Deutschen Bank. Geschäfte und Wohnungen werden mit immer raffinierterer Technik gegen Einbruch geschützt und hoch versichert.