An der Europäischen Gemeinschaft liegt es nicht, wenn in Jugoslawien weiter Blut fließt. Wer das Geleitzugstempo der Zwölf kennt, kann sich nur wundern über den Elan, mit dem sie sich um eine friedliche Lösung bemühen. Die Vorboten der Balkankrise hatte die EG geflissentlich übersehen. Jetzt versucht sie um so eifriger, für den Frieden zu retten, was zu retten ist.

Die Friedenskonferenz an diesem Samstag könnte die letzte Chance sein – für die Menschen in den umkämpften Gebieten Kroatiens, aber auch für die westeuropäischen Vermittler. Ihr fünfter Anlauf zur Schlichtung trägt alle Merkmale eines Verzweiflungsaktes. Als Fundament dient allein die Erklärung vom vergangenen Wochenende, in der sich die jugoslawischen Konfliktparteien zum Befriedungsszenario der Gemeinschaft bekennen. Darin wird nicht nur die gewaltsame Veränderung von Grenzen verurteilt, sondern auch der rechtmäßige Schutz für alle Menschen im neuen Jugoslawien gefordert. Doch wie brüchig die Verständigungsbasis ist, zeigten die Kämpfe in den Tagen danach. Wenn nicht einmal die Waffen der jugoslawischen Bundesarmee schweigen, ist von den Freischärlern im Dickicht des Hasses erst recht keine Einsicht zu erwarten.

Die EG hat inzwischen die serbische Führung für die Gewalttaten in Kroatien haftbar gemacht. Das ist ein bemerkenswert deutliches Wort aus den europäischen Kanzleien. Ob es noch nutzt, erscheint zweifelhaft. Auch die EG-Außenminister bauen nicht auf ihr Konzept. Nach vielen fruchtlosen Interventionen beharren sie deshalb auf einem Abflauen der Kämpfe vor ihrem Den Haager Versuch. Doch selbst dann ist der Konferenz kein Erfolg garantiert. Die Arbeitsgruppen, Schiedskommissionen und Beobachtertrupps, um die es im Friedenspalast gehen soll, sind Instrumente der Vernunft – die einzigen Waffen, die der Europäischen Gemeinschaft als ziviler Macht zur Verfügung stehen. Können sie noch Wirkung erzielen in einem Bürgerkriegsland, in dem die Vernunft immer mehr abdankt? D. B.