Den politischen und publizistischen Verfolgern des ehemaligen DDR-Staatssekretärs Alexander Schalck-Golodkowski rinnt ersichtlich Schweiß über die Stirn. Er kommt vom schlechten Gewissen. Was ist dem Mann eigentlich vorzuwerfen? Daß er für sein marodes Land Devisen beschaffte und nebenher für die Staatssicherheit aufschrieb, was Franz Josef Strauß ihm bei gelegentlichen Treffs erzählt hatte? Selbst der Bundeskanzler hält die Kontakte zwischen Schalck und dem bayerischen Ministerpräsidenten noch heute für segensreich. Der daraus resultierende Milliardenkredit sei "ein wesentlicher Grund für den Anfang vom Ende der DDR" gewesen.

Doch nun, fast zwei Jahre nach seiner von Bonn aus guten Gründen begünstigten Übersiedlung in den Westen, soll Schalck gleichwohl vor den Kadi gezogen werden – als Spion. "Jetzt" – erst jetzt –, verkündet der Generalbundesanwalt, sei klargeworden, daß der Devisenhändler mit dem Dienstgrad eines Stasi-Obristen seine Westkontakte auch zur "geheimdienstlichen Informationsgewinnung" genutzt habe.

So viel gespielte Naivität ist zwar nicht strafbar. Sträflich bleibt sie allemal. Wie gut sich die Westdeutschen mit ihrer Gewaltenteilung auf jenes Doppelspiel verstehen, für das sie Schalck nun hinter Gitter bringen wollen! H.Sch.