Eine Frage in eigener Sache: Und wie lesen Sie? Den Anfang und das Ende und dazwischen ein bißchen? Oder den ganzen Text, von oben nach unten, und wissen dann immer noch nicht, ob sich das Buch für den Enkel mit vier Jahren und sieben Monaten und fünf Sommersprossen eignet? Weil Rezensentin und Rezensent wieder einmal mehr in die eigene Sprache verliebt sind, statt schlicht und deutlich zu schreiben: "Dieses Buch ist sehr (relativ / manchmal / kaum / überhaupt nicht) empfehlenswert für Jungen (Mädchen) im Alter von 11 bis 14 (12 bis 15 / ab 16 abwärts), die auf eine Hauptschule (Mittelschule / Oberschule) gehen, mit Handwerkern (Köchen / Lehrern / Busfahrern) als Eltern!"

Obwohl sich Dr. Rabe des "Service-Charakters" dieser Seite bewußt ist (besonders zur Weihnachtszeit) und immer wieder die herzliche Bitte vorgetragen wird, doch endlich die Zielgruppe eines Buches altersmäßig einzukreisen, sei hier noch einmal betont, daß hier keine Rezepte verschrieben werden und niemand die Mühsal des Lesens erspart werden soll. Dies geschieht nicht aus bildungsbeflissener Boshaftigkeit oder dünkelhaften Parallelen zur Literatur-, Film- oder Theaterkritik, es geschieht aus reinem Eigennutz. Onkel und Tante, Oma und Opa, Mama und Papa müßten nur mehr einen Bruchteil der Artikel lesen, hätten sie kein Kind im passenden Alter. Allein die Angabe "Ab zehn Jahre" würde die Leserschaft halbieren und die eitlen Rezensenten dazu verführen, nur mehr Bücher "Ab drei Jahre" zu besprechen. Die Folgen wären absehbar. Dr. Rabe will sich den Ärger ersparen.

Er wünscht sich etwas anderes: daß die Kinder so verschieden bleiben, wie sie Christine Nöstlinger einmal beschrieben hat, die "dummen wie die tiefschürfenden, die klugen wie die oberflächlichen, die sensiblen wie die beinharten, die rührseligen wie die realistischen, die angepaßten wie die aufmüpfigen" – und daß sie manchmal das falsche Buch geschenkt bekommen, um daran ein bißchen was zu ändern. K.H.