Von Andreas Kilb

"Es gibt zwei Dinge, die mich immer noch beschäftigen, und ich spreche jetzt nicht nur als FBI-Agent, sondern auch als Mensch: Was geschah wirklich zwischen Marilyn Monroe und den Kennedys, und wer genau hat auf JFK geschossen?"

Der FBI-Agent Dale Cooper in "Twin Peaks"

Die ersten Bilder von "Twin Peaks" zeigen folgendes: einen Vogel auf einem Ast, reglos; Stahlplatten, die auf einem Fließband geschnitten, gekerbt und zu Sägeblättern geschliffen werden; ein Stück eines zersägten Baumstamms im Freien; eine Landstraße mit einem Ortsschild, das unter dem Wahrzeichen des Städtchens Twin Peaks, den zwei Berggipfeln, die Aufschrift trägt: "Welcome to Twin Peaks, Population 51,201"; einen Wasserfall, der sich in eine tiefe Schlucht ergießt; Wildenten auf einem Fluß. Keine Häuser, keine Gesichter, sondern Dinge in Ruhe. Eine Welt ohne Menschen, ohne Handlung, ohne Geräusch.

Könnte so eine Serie beginnen, die das Fernsehen revolutioniert? Vielleicht.

Die nächsten Bilder zeigen eine Frau, die sich vor einem Spiegel schminkt; einen älteren Mann, der sich verabschiedet, um zum Fischen zu gehen; ein Sägewerk am Fluß; den gleichen Mann, der am Flußufer eine Plastikplane entdeckt, unter der eine Leiche liegt; das Büro des Sheriffs, den Sheriff selbst, der einen Anruf erhält; und schließlich die Identifikation der Leiche, eines Mädchens, das Laura Palmer heißt. Fünf Minuten später bricht Lauras Mutter schreiend am Telephon zusammen, und dann folgt eine kurze Pause, in der, zumindest im amerikanischen Fernsehen, der erste Werbespot eingeblendet wird.

Da ist die Revolution schon wieder vorbei, denn es beginnt eine Geschichte: die Suche nach dem Mörder von Laura Palmer. Von jetzt an hat jedes Bild, das wir sehen, Beweiskraft; jede Einstellung kann ein Indiz enthalten, das zu Lauras Mörder führt. Die hypnotische Ruhe des Anfangs ist vorbei. "Twin Peaks" aber kämpft darum, sie zurückzugewinnen, 29 Folgen lang. Warum?