Flæskesteg und rœdgrœd, smørrebrød und rœget œrred – doch bevor der Reisende zu solchen kulinarischen Höhenflügen ansetzt, hat er allemal einen Stopp in den gastronomischen Niederungen einzulegen. Ein Besuch in Dänemark bleibt unvollständig – ohne den Verzehr eines Hot dog.

Dieser Akt im anderen Land beginnt mit der Bestellung an einem der pœlser-vogn, die leider immer seltener werden. Da sind Entscheidungen von einiger Tragweite zu treffen. Während die Wahl der Zwiebeln noch keine Probleme bereitet – geröstete natürlich, die frischen würden sich in dem perfekten Arrangement von Konservierungsstoffen ja doch wie Fremdkörper ausnehmen – ist die Frage nach der Art der Wurst schon von anderem Kaliber: rœde pœlser oder ristede? Das ist wie: grüne oder gelbe Götterspeise? Der Purist kämpft mit dem Genießer, und wie immer siegt nach reichlicher Überlegung die Tradition über den Gaumen: Die klassische dünne, giftig rote muß es sein, heiß aus dem Siedekasten, die Bratwurst folgt ein andermal.

Sorgsam schlitzt nun Wurstfrau oder Wurstmann das eliptische Wabbelbrötchen seitlich auf, legt die Wurst ein, zieht einen Streifen Senf, einen Streifen Ketchup aus dem Hahn darüber, spritzt aus der Plastikflasche gurgelnd Remoulade dazwischen, streut Zwiebeln darauf und deckt das Gebilde dachziegelartig mit süßsauren Gurkenscheiben ab.

Da liegt er, im dünnen Papierserviettchen, auf dem wellenförmigen Halter aus Edelstahl, auf dem noch vier andere seiner. Sorte Platz fänden: der Hot dog. Nun glauben Unerfahrene immer noch, ihn zum problemlosen Fast-food zählen zu dürfen. Ist er doch, wie der Hamburger, zum menschlichen Verzehr geeignet. Und scheint auch, wie dieser, in zwei, drei Bissen vertilgbar zu sein.

Fast-food also – ja, aber von der hinterhältigen Sorte. Denn der Däne ist ein heimtückischer Bursche, der sich gegen das hastige Verschlungenwerden wohl zu wehren weiß.

Senf schmiert er als erste Warnung auf die Finger, platscht gleich darauf einen dicken Klacks auf die Bluse, malt lustige rotweiße Kringel aufs Seidenhemd. Und schon ist nichts mehr zu halten: Zwiebeln rieseln, fettiges Wasser spritzt, Gurken klatschen auf Rock und Hose. Wer an dieser Stelle meint, eher zum Ende zu kommen, indem er schneller ißt, gerät erst recht unter Beschuß: Die Soße suppt und schmatzt herunter, die Statik des fragilen Gebildes bricht endgültig zusammen und ein glitschiger Klumpen auf den hastigen Esser nieder, gefolgt von einer Reihe vollmundiger, gotteslästerlicher Flüche.

Schmeckt er denn nun, der Hot dog? Nein: Man kann keinen einzelnen der Bestandteile ausmachen. Und irgendein neues, klar zu definierendes Aroma entsteht durch die Kombination unverträglicher Elemente auch nicht. Andererseits: Ja. Genauso, wie er aussieht, schmeckt er auch. Ein Angriff auf die Geschmacksnerven, der das Opfer am Ende ratlos zurückläßt.