Der Minicrash vom 19. August hat wesentlich zur Bereinigung des deutschen Aktienmarktes beigetragen. Das aus Angstverkäufen stammende Material ist – wie die Börsianer sich ausdrücken – weitgehend in "gute Hände", also bei potenten institutionellen Anlegern gelangt, die in der Lage sind, ihre Bestände auch längere Zeit zu halten.

Seitdem die Kursverluste wieder aufgeholt sind, tut sich der Markt aber mit einem weiteren Anstieg schwer. Das liegt daran, daß selbst Optimisten an den ernüchternden wirtschaftlichen Rahmendaten nicht vorbeikommen, die zumindest für 1991 bei der Mehrzahl großer Gesellschaften rückläufige Gewinne verheißen. Die Analysten der meisten Kreditinstitute sind zwar der Meinung, daß sich dies im kommenden Jahr schon wieder ändern wird, aber auch sie halten es noch für zu früh, auf solche Aussichten hin die Bestände aufzustocken.

Kein Wunder, wenn bei solchen Lagebeurteilungen die Umsatztätigkeit am deutschen Aktienmarkt dünn bleibt. Um so mehr werden Sonderbewegungen beachtet. Ein Papier, das schon seit längerer Zeit für Überraschungen gut ist, stellt die Hoesch-Aktie dar. Für sie treffen sporadisch Kaufaufträge vornehmlich aus London ein. Von seinem diesjährigen Jahrestiefstkurs hat sich der Hoesch-Kurs um mehr als sechzig Prozent verbessert. Immer wieder taucht das Gerücht auf, daß die Bildung eines Paketes von Hoesch-Aktien angestrebt werde.

Auch bei Conti rührt sich an der Börse neuerdings wieder etwas. Trotz des angekündigten Dividendenausfalls ist der Kurs gestiegen. Angeblich kommt diesmal die Nachfrage von einem institutionellen Anleger aus New York.

Für kurze Zeit flammte auch Kaufneigung für Lufthansa-Aktien auf. Zum gleichen Zeitpunkt übrigens, zu dem die Lufthansa ihr eher enttäuschendes Zwischenergebnis veröffentlicht hat. Als Grund für die Käufe in Lufthansa-Aktien wurde die Überlegung angeführt, der Bund wolle sich von weiteren Lufthansa-Aktien trennen, um Geld in die Kasse zu bekommen. Zur Vorbereitung der Privatisierung müsse erst der Lufthansa-Kurs nach oben gepflegt werden. Inzwischen gibt es ein glaubwürdiges Dementi.

Im Bereich der Großchemie hat sich die Rangfolge verändert, eine Reaktion auf die Halbjahresberichte, nach denen Hoechst am schlechtesten abgeschnitten hat. Die BASF gab das Schlußlicht an die Hoechst-Aktie ab. Spitzenreiter bleibt Bayer. Gegenüber der Vergleichszeit des Vorjahres ist dort nur eine geringe Ertragsabschwächung zu verzeichnen. K. W.