Von G. Allison und R. Blackwill

CAMBRIDGE/Massachusetts. – Mehr denn je brauchen wir nun eine klare Strategie, um langfristig den Übergang der Sowjetunion und der Republiken (oder unabhängigen Länder) zu Demokratie und Marktwirtschaft zu sichern. Dabei sollten die Vereinigten Staaten unbedingt die Führung übernehmen – dies wäre die bisher vielleicht größte geopolitische Herausforderung für die Bush-Administration.

Wir haben diese Strategie ja bereits The Grand Bargain (Die Große Übereinkunft) genannt. In ihr bekennt sich der Westen klipp und klar zu seinem tiefen Interesse an einem Erfolg der Reformen in der Sowjetunion. Bei der innenpolitischen Auseinandersetzung um diese Reformen wird es vor allem auf den Mut und die Entschlußkraft der sowjetischen Unionsregierung und der Republiken ankommen. Doch die Geschwindigkeit dieses Prozesses, die Erfolgschancen und die Risiken – bis hin zur Möglichkeit eines tragischen Scheiterns – hängen entscheidend vom Ausmaß des Engagements und von der Unterstützung des Westens ab.

Die Bedingungen des Grund Bargain bleiben unverändert: Voraussetzung für umfangreiche Unterstützung und finanzielle Hilfen durch den Westen für die Sowjetunion sind die politische und wirtschaftliche Umstrukturierung dieses gigantischen Staatsgebildes. Beteuerungen, vage Pläne oder immer wiederholte Absichtserklärungen, wie sie von Michail Gorbatschow im vergangenen Monat beim Londoner Wirtschaftsgipfel zu hören waren, genügen nicht. Erst nach dem tatsächlichen Beginn von Wirtschaftsreformen – der ja noch nicht eingetreten ist – werden auch tatsächlich Mittel bereitgestellt.

Wir wollen noch einmal klarstellen, was der Grand Bargain nicht ist. Es geht nicht um den Transfer von Milliarden Dollar an die Sowjetunion nach dem Prinzip Hoffnung oder gar aufgrund von Jelzins mutiger Rede auf dem Panzer. Wenn der Westen heute als Vorschuß für grundlegende Wirtschaftsreformen einen Sack voller Milliarden auf den Tisch legte, wäre dieses Geld zum Fenster hinausgeworfen.

Dies ist auch kein Plan, um Gorbatschow und die Unionsregierung auf Kosten von Jelzin und der Republiken zu retten. Der friedliche Übergang der Sowjetunion zu Demokratie und Marktwirtschaft kann nur gelingen, wenn die geschwächte Unionsregierung, wer auch immer ihr vorsitzen mag, eng und dauerhaft mit den Republiken zusammenarbeitet.

Ebensowenig hat der Westen vor, die sowjetische Regierung und die Republiken freizukaufen, zu bestechen oder zu erpressen. Die Sowjets (Russen, Ukrainer und so weiter) müssen ihr politisches und wirtschaftliches System aus eigenem Antrieb reformieren und nicht, weil der Westen glaubt, es sei gut für sie. Sie selbst müssen den Wandel möglich machen, wie beim Aufbegehren gegen den Putsch in den Straßen Moskaus. Wir im Westen können und sollten, wo immer es geht, Hilfe leisten, um den Sowjets den Erfolg zu ermöglichen.