Kritische Situationen haben häufig ihr Gutes: Die CDU, das hofft auch ihr Vorsitzender, der Bundeskanzler, könnte von dem Krach zwischen Volker Rühe und Lothar de Maiziere am Ende profitieren. So wird als erstes vielleicht klar, daß es sich dabei keineswegs nur um ein Ost-West-Problem handelt, sondern vor allem um interne Aufarbeitungs- und Erneuerungskämpfe innerhalb der Ost-CDU. Diese Auseinandersetzung ist unausweichlich. Sie wurde von der Basis im Osten begonnen und muß dort auch zu Ende gebracht werden, sosehr Helmut Kohl die Kosten fürchtet, die womöglich er zu tragen hat.

Der Konflikt eröffnet der Gesamtunion aber auch die Möglichkeit, die Arbeit der programmatischen Erneuerung nun ernsthaft anzugehen. Daß Kohl ausgerechnet de Maizière mit dem Vorsitz der Programmkommission betraut hatte, nährte von Anfang an den Verdacht, der Vorsitzende sei an einer ernsten Programmdebatte wenig interessiert. Aus seiner eigenen Zeit als Stürmer und Dränger weiß Kohl, daß dies immer das Feld der Erneuerer ist. Und die sind ihm, im Westen besonders, nicht recht geheuer.

Jetzt aber, da de Maizière jedes politische Gewicht verloren hat, muß ein anderer an seine Stelle treten. Andernfalls wird die Programmarbeit zur Farce. Auch ein solches Ergebnis freilich würde Klarheit schaffen – über Kohls Prioritäten und den Zustand der Union. wap