Selbst im gut ausgebauten Sozialstaat Bundesrepublik ist bekanntlich kein Bäcker dazu verpflichtet, seine Brötchen an sozial schwache Bürger billiger zu verkaufen. Der staatliche Fernmelderiese Telekom hingegen muß seine Telephone für bestimmte Bevölkerungsschichten zum Sondertarif anbieten. Zu Recht will das neue Management diese Vergünstigung künftig abschaffen, weil es sich – nach der Postreform – für Sozialpolitik nicht mehr zuständig fühlt. Schließlich ist die Telekom neuerdings der Wirtschaftlichkeit verpflichtet. Demnächst werden also die Sozialämter dafür Sorge tragen müssen, daß ein Telephon nicht für etliche Bundesbürger zum unerreichbaren Luxusgut wird.

Allerdings: Die Minderbemittelten im Lande dürften nicht die einzigen Leidtragenden der Postreform bleiben. Künftig möchte die Telekom auch noch zwischen geschäftlichen Groß- und privaten Kleinkunden differenzieren. Die Abkehr vom heutigen Prinzip der Gleichbehandlung bedeutet: Endlich würde sich die gute Lobbyarbeit der mächtigen Kundschaft aus der Wirtschaft lohnen. Die wußte schließlich schon immer, warum sie sich für die Postreform so stark gemacht hat. lüt