Die Zahl der Grönland-Reisenden hält sich in Grenzen; doch Besucher, die diese größte Insel der Welt einmal aufgesucht haben, kommen mit unvergleichlichen Eindrücken zurück. Selbst im Sommer, wenn am Südrand des ewigen Eises der Schnee schmilzt und grüne Wiesen sichtbar werden, treiben zuhauf Eisberge von der Höhe kleiner Wolkenkratzer in den Fjorden, über denen sich oft ein leuchtendblauer Himmel spannt. Das Wetter kann allerdings jederzeit umschlagen. Dann bleiben die Schiffe in den zufrierenden Eisschollen stecken, und Helikopter können nicht mehr starten. Auch der Reisende wird in solchen Fällen oft länger als beabsichtigt an einem Ort festgehalten. Für diese Unwägbarkeiten entschädigen jedoch Grönlands grandiose Natur und die Begegnungen mit seinen Bewohnern, die ihre Heimat Kalâtdlit Nunat, Land der Menschen, nennen. Von beiden berichtet der reich illustrierte Band "Grönland – Nachbar des Nordpols" (Westermann-Verlag, Braunschweig 1991; 176 Seiten, 93 Farbphotos, 29,80 DM), mit Photos von Achim Sperber und Texten von Hans Joachim Kürtz. Der Autor verhehlt nicht seine Sympathie für dieses Volk, das den schnellen Sprung in die Neuzeit nicht unbeschadet überstanden hat und deshalb nach neuen Lebensformen sucht, die ihm ein Überleben ermöglichen. rm