Den ersten beißen die Hunde. John Major, der britische Premier, besuchte die chinesischen Machthaber. Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking sprach aus, was eine Welt, die das Gemetzel auf dem Tiananmen-Platz nicht vergessen hat, sich zumindest fragte: Die Visite des Briten sei bereits "der letzte Schritt" zur Wiederherstellung normaler Beziehungen.

So ist es beileibe nicht. Außenminister Douglas Hurd wählte schon vorab deutlich distanzierte Worte. Keinesfalls sei man einverstanden mit der Art, wie Chinas Führung das Volk behandle. Es wäre jedoch fatal, die Nuklearmacht zu isolieren. Außerdem fällt 1997 Hongkong an Peking zurück. Major übergab seinem Gastgeber ein Verzeichnis politischer Gefangener, das amnesty international zusammengestellt hatte, und forderte deren Freilassung. Li reagierte prompt und schroff: "Andere Länder" hätten in den vergangenen hundert Jahren die Menschenrechte mißachtet, indem sie China demütigten.

Es gibt ein chinesisches Trauma, das viel älter ist als der westliche Schock über das Tiananmen-Massaker oder das Blutvergießen während der Kulturrevolution, älter auch als das System, das sie verursacht hat. Das Trauma heißt Abhängigkeit und Fremdbestimmung.

Die Engländer mögen sich ungern erinnern, wie sie im 19. Jahrhundert Opium zur Welthandelsware machten – mit ruinösen Folgen für Chinas Wirtschaft und Volksgesundheit. Auch die Schlächterei des deutschen Expeditionskorps beim Boxeraufstand im Jahre 1900 haben die Chinesen nicht vergessen.

Allerdings ist das China von heute Mitglied der Vereinten Nationen und folglich auf die Erklärung der Menschenrechte verpflichtet. John Major hat die Herrscher in Peking immerhin auf diese Pflichten hingewiesen. C.D.