Den Abenteuerroman, schrieb Ernst Bloch, umgebe zweideutiger "Ludergeruch", denn er breche die Moral des "Bete und arbeite" immer besonders gern dann, wenn er gleichsam ohne Entschuldigung, ohne literarische Feinheit auskomme: "Hier überall ist keine Psychologie, sondern Handlung, Schlag auf Schlag, das Innere nur als Spannung nach außen reißend, als einfachen, unverwischten Keimpunkt äußerer Spannung und Entladung."

Blochs kleine Apologie der Kolportage, "Urfarbe des Traums", ist nachzulesen im Karl May gewidmeten Literaturmagazin Der Rabe (Haffmans Verlag Nr. 27; 12,– DM), ein Vademekum zur monumentalen, historisch-kritischen Karl-May-Edition, die Hermann Wiedenroth und Hans Wollschläger nach dem Schiffbruch des Greno-Verlags bei Haffmans weiterführen. Parallel als Taschenbücher und gebundene Ausgaben erscheinen die Bände nun dort so, wie’s in ihnen zugeht: Schlag auf Schlag.

Schlag auf Schlag und Hieb um Hieb geht es auch in Alexandre Dumas unsterblichen "Die drei Musketiere" zu (Insel it 1131, deutsche Erstausgabe 1955; 20,– DM). Dumas, so Volker Klotz in seiner luziden Studie über "Abenteuerromane" (rororo re 479, EA 1979; 14,80 DM), fessele seine Leser ans "erregende Einzelbild, so daß sie gar nicht erst prüfen und vergleichen, wie das Einzelbild ins Gesamtbild paßt und ob dieses wiederum übereinstimmt mit dem Gesamtbild ihrer eigenen Erfahrungen".

Auf diese Weise sind Generationen von Jugendlichen vom "Lederstrumpf" gefesselt worden, was freilich daran liegt, daß diese Romane zumeist in verstümmelten, "für die Jugend" verheerend bearbeiteten Fassungen kursieren. Es lohnt sich schon, James Fenimore Coopers durchaus nicht triviale Werke ungekürzt zu lesen; man wird dann merken, daß zum Beispiel "Der letzte Mohikaner" Insel it 1212; 14- DM) ein mit epischem Atem erzählter, historisch genau fundierter Roman ist.

Werner J. Eglis Roman "Das Land ihrer Träume" (rororo 12760, EA 1988; 10,80DM) über deutsche Auswanderer zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs hat mehr Ähnlichkeit mit der genauen Recherche Coopers denn mit den wüsten Phantasien Karl Mays: Egli schreibt informativ und spannend und fern jeder Wildwest-Verklärung. Charles Sealsfield (eigentlich: Karl Postl), der "deutsche Amerikaner", erzählt auf eine Weise, "daß keiner ihn vergißt, der ihm einmal zugehört hat" (Hugo von Hofmannsthal). In seinem bekanntesten Werk "Das Kajütenbuch" (Insel it 1163; 18,– DM) wird in der Tat im ursprünglichen Sinn erzählt, denn die abenteuerlichen Geschichten aus dem mexikanisch-texanischen Krieg von 1836 werden hier als mündliche Berichte organisiert, zusammengehalten von einer (allerdings eher schwachen) Rahmenhandlung.

Vielleicht läßt sich etwas zugespitzt sagen, daß ein gutes Buch immer spannend ist – und ein wirklich spannendes Buch immer gut. Und manchmal werden auch wohlkalkulierte Prisen von Kolportage in literarisch überzeugenden Konzeptionen abgefangen. In den sechs Romanen, im die ich hier noch hinweisen will, schließen sich jedenfalls literarisch-poetische Ansprüche und Elemente von Abenteuerliteratur keinesfalls aus.

James Dickeys "Flußfahrt" (rororo 12722, dt. EA 1971; 8,80 DM), unter dem Titel "Beim Sterben ist jeder der erste" auch Vorlage eines sehenswerten Films, verbindet hohes literarisches Niveau mit knallharter Dramatik; man fühlt sich an Hemingway erinnert, in den Motiven auch an Conrads "Das Herz der Finsternis", denn es geht um eine Flußfahrt in unbewohntes Territorium – was als kontrollierter Abenteuerurlaub beginnt, endet in einem Kampf auf Leben und Tod.