Fette Fernseher, Radiogurken – ein Bummel über die Internationale Funkausstellung

Von Klemens Polatschek

Der Fortschritt ist ja unaufhaltsam, und selbst hartgesottene Technikanhänger vermögen seine großen Leistungsschauen oft nur mit dem Gefühl der Benommenheit wahrzunehmen. Die Internationale Funkausstellung in Berlin, die 38. insgesamt, zeigt das beispielhaft, gilt sie doch als größte Medienschau der Welt. Das heißt zwar noch nicht viel bei einer Messe, die bis auf die Kabel und Dioden deutsch und europäisch orientiert ist, doch die Besucherzahlen überschlagen sich: 400 000 waren es 1989; dieses Jahr, bis zum kommenden Sonntag, sollen es mehr als 500 000 werden.

Die modernen Zeiten verlangen, daß diese halbe Million Menschen sich einer entwürdigenden Prozedur unterzieht, will sie auch nur einen Bruchteil von dem verstehen, woran sie sich aus eigenem Entschluß herangewagt hat.

Früher blieb es allein den sogenannten High-End-Freaks überlassen, technische Einzelheiten von Schall- und Bildgeräten auswendig zu lernen und bei Gelegenheit in der Reihenfolge ansteigender Unwichtigkeit vorzubeten. Heute muß schon jeder sich mit dem Technospeak herumschlagen, wenn er nur ein Autoradio im Sinne hat. Bevor nicht CPS, der Cassette Program Search, TPM, das Track Program Memory, ELASE, die Enhanced Level Adaptive Segmentation, dazu die Cross-Mode-Funktion, der Flex-Fader und der Frame Interline Transfer dem Produktblatt eines (wohlgemerkt: deutschen) Herstellers entnommen und in allfälligen Vergleichen verarbeitet sind, kann niemand sichergehen, das richtige Gerät erwischt zu haben. Auch VISS/APF muß sein, schon weil es so dynamisch klingt.

Das Problem ist nicht, daß es so weit kommen konnte. Das Problem ist, daß niemand auf dieser Welt, geschweige denn auf der Funkausstellung, den Leuten mitteilt, daß es auf den fahrlässig entlassenen Labormüll gar nicht ankommt, sondern daß der Schein viel wichtiger ist.

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