Von Heinz-Günter Kemmer

Feinfühlig war die Einladung nicht gerade: Die DEA Mineralöl AG beehrte sich, ihren Trierer Tankstellenpartner Peter Jan Schlüschen zu einem Festakt auf die luxemburgische Seite der Mosel zu bitten. Anlaß war die Eröffnung einer DEA-Station im Örtchen Wasserbillig mit 72 Zapfstellen. Dazu findet der Kunde – so eine DEA-Pressemitteilung – "im fast 100 qm großen Tankstellen-Shop ein reichhaltiges Warenangebot".

Schlüschen fühlt sich durch die Einladung denn auch eher veräppelt als geehrt. Seine eigene Station an der Zumaiener Straße in Trier – sie hat ebenfalls 72 Zapfstellen – bietet nämlich derzeit ein trostloses Bild. Die wenigen Autos, die bei Schlüschen vorfahren, verlieren sich fast in der Riesenanlage. Den Kennnzeichen nach sind es überwiegend durchreisende Touristen. Die junge Dame, die ihren Golf mit Trierer Nummernschild volltankt, ist die rare Ausnahme. Sie tankt auch nur deshalb, "weil das ein Firmenwagen ist und wir hier eine Tankkarte haben". Schlüschens Misere hat direkt etwas mit Luxemburg zu tun.

Auf der anderen Seite der Mosel nämlich ist ein Liter Super bleifrei fast fünfzig Pfennig billiger. Schon vor dem 1. Juli, als in der Bundesrepublik die Mineralölsteuer kräftig erhöht wurde, kostete der Sprit im Großherzogtum rund 25 Pfennig je Liter weniger, aber erst der letzte Preissprung auf deutschem Boden setzte die Autokarawane in Richtung Luxemburg so richtig in Gang.

Tag und Nacht, so sagt Schlüschen, und das kann jeder selbst sehen, fahren nicht nur die Trierer in Scharen über die Grenze. Das Einzugsgebiet der luxemburgischen Stationen reicht nun bis weit in die Eifel. Die deutschen Kunden füllen nicht immer nur ihren Tank, sondern auch ganze Batterien von Kanistern – was der Luxemburger Tankwart eigentlich nicht darf –, und transportieren sie heim – was sie nicht dürfen. Damit die Rechnung auch richtig stimmt, decken sie sich gleich noch mit Kaffee, Zigaretten und Spirituosen ein, die dank niedrigerer Verbrauchssteuern in Luxemburg ebenfalls deutlich billiger sind.

Die deutschen Behörden sehen dem Treiben tatenlos zu. Die Einfuhr von Benzin im Tank ist ohnehin frei, und zum Tanken darf man über die Grenze fahren. Die Zöllner auf Trierer Seite, die Einreisende aus Luxemburg gern kräftig filzen, weil sie bei ihnen im Großherzogtum mehrwertsteuerfrei gekauftes Gold vermuten, lassen die Benzintouristen ungeprüft passieren. Schließlich hat die Staatsanwaltschaft in Trier zu erkennen gegeben, so sagt Schlüschen, daß sie bei Mengen von weniger als 300 Litern kein Verfahren eröffnen wird.

Das Nachsehen haben nicht nur die Eigentümer und Pächter von Tankstellen im Grenzgebiet. Das Nachsehen hat auch der Staat, dem mit jedem Liter Benzin, der in Luxemburg statt in der Bundesrepublik getankt wird, einschließlich Mehrwertsteuer fast eine Mark durch die Lappen geht.