Frauensachen: Theater

Jedesmal, wenn der neue Monat beginnt, haben wir Augen und Ohren nur noch für eines: für unser Lieblingsblatt Theater heute, das einzige, erste und letzte Theaterfachblatt von Weltniveau (einst Seelze, heute Berlin). Unsere Lieblingsstelle im Lieblingsblatt ist ganz hinten die berühmte, mit einem markanten Paßphoto des Autors geschmückte Theater heute-Kolumne, in welcher der jeweilige Theater heute-Kolumnist Monat für Monat möglichst furiose, hoffentlich unverantwortliche Thesen verficht. So war es auch jetzt, im blauen Mond September: "Frauen sind nicht komisch", erklärt Kolumnist Gerhard Stadelmaier und widmet seine Betrachtung schlau der Komödiantin Kirsten Dene – denn sie ist für ihn die "Ausnahme" von der herben Stadelmaierschen Regel, "die einzige umwerfend komische Frau auf der Bühne weit und breit". Endlich! denken wir, endlich in unseren trostlos frauenfreundlichen Jahren sagt es mal einer, das wurde aber auch Zeit – und schon möchten wir spontan, von Mann zu Mann gewissermaßen, dem Kollegen zu seinem Manneswort gratulieren, ein Schmuckblatt-Telegramm mit Marschmusik wäre vielleicht am schönsten.

Doch dann überlegen wir ein bißchen – und brauchen nicht mehr als zehn Sekunden, um wenigstens zehn komische Gegenbeweise zur traurigen These zu finden. Also, bitte sehr: Ist die wunderliche, die unbegreifliche Libgart Schwarz nicht ebenso komisch wie Kirsten Dene? Ist Katharina Thalbach nicht so komisch wie das gesamte Männerensemble des Berliner Schiller-Theaters? War in der endlosen Agonie der Ära Bogdanov (Hansestadt Hamburg) nicht Ortrud Beginnen immer wieder ein komischer Trost? Ist Annette Paulmann nicht viel komischer als alle begabten Jungmänner des Hamburger Thalia Theaters? Ist Susanne Lothar nicht mindestens so komisch wie beispielsweise Ulrich Tukur? Waren Jutta Lampe und Miriam Goldschmidt (in "Kalldewey Farce") nicht ein ebenso wunderbares Komikerpaar wie später die Herren Samel und Simonischek in "Die Zeit und das Zimmer"? War in den eher männlich-gedankenschweren Darbietungen des Mülheimer Theaters an der Ruhr die unvergessene Gordana Kossanović nicht so etwas wie das funkelnde Irrlicht, der rettende Clown? Und zeigt nicht Silvia Rieger in Frank Castorfs Spektakeln, daß weiblicher Seelenschmerz eine hochnotkomische Angelegenheit sein kann? Und ist Maria Niklisch von den Münchner Kammerspielen nicht ebenso komisch, wie es einst ihr Kollege Peter Lühr war?

Und, um Stadelmaiers Behauptung endgültig zu zertrümmern: Der größte Komiker jedweden Geschlechts im deutschen Nachkriegstheater war eine Frau. Ihr Name: Therese Giehse. Frauen sind nicht komisch? Nein, die Kolumne stimmt nicht, schade. Aber komisch ist sie schon. Da lachen ja die Hähne.

Absolut unzumutbar

Herr Kohl – nein, nicht der Doktor Helmut, obwohl es auch dem gut anstünde, gelegentlich den demokratischen Aspekt seiner christlichen Parteilichkeit hervorzukehren, sondern Hermann Joseph, Geschäftsführer einer zum Freiburger Herder Verlag gehörenden Kölner Buchhandlung, die der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner mit einem Einkaufsverbot seiner "Beschaffungsstelle" bestrafte, weil der aufmüpfige Eugen Drewermann in den Geschäftsräumen aus seinem Buch "Die Kleriker" hatte lesen dürfen – wehrt sich: "Man kann nicht in einer Kirche, die so viele Geister umschließt, die Meinung eines einzelnen maßgeblich machen für alle." Er bekommt inzwischen Schützenhilfe: Der Verband Katholischer Verleger gab dem Oberhirten zu bedenken, daß "Vor- oder Nachzensur kein geeigneter Weg ist, mit anderen Meinungen umzugehen" und ein Bischof "nicht der Eigentümer einer Diözese ist, sondern der Treuhänder eines Vermögens, das weitgehend vom Steuerzahler aufgebracht wird". Kölner Buchhändler-Kollegen halten den Boykott für einen "bedenklichen Vorgang" und die Reaktion des Kirchenfürsten für "absolut unzumutbar". Der FDP-Politiker Gerhart Baum gar warf dem Kardinal "laschen Umgang mit Toleranz und Meinungsvielfalt" vor. Die ganz normale Reaktion des Kölner "Kirchenvolkes" aber könnte eigentlich ja nur heißen: Wir kaufen nicht mehr beim Kardinal! Wir gehen nicht mehr hin, wenn er den Mund aufmacht! Wir finanzieren nicht länger seine Beschaffungsstelle! "Kommt Übermut, kommt auch Verachtung!" (Spr. 11,2)