Leninismus

Die Stadt Riga hält an Lenin fest. Gerade erst mit Stahlschlinge und Kranwagen vom Podest gehoben, das Fundament in tagelanger Arbeit mit Preßlufthammer und Abrißbirne zertrümmert, den Untergrund mit Muttererde und Rasensamen bedeckt, soll das bronzene Monumentaldenkmal nun wiedererstehen – in einem neuen Lenin-Park, vereint mit den restlichen dreißig in Lettland geschleiften Leidensgenossen. Da die Skulpturen sich gleichen wie ein VW-Golf dem anderen – ein distinguierter, älterer Herr, mit wehendem Mantel, die Rechte in die Zukunft weisend –, wird die kunstvolle Anordnung über Reiz und Wirkung des Ensembles entscheiden. "Lenins", so heißt der Mann im lettischen Nominativ, könnte nun in viele Richtungen deuten. Da sich die Stadtverwaltung der alten Hansestadt schon auf diesen Post-Leninismus festgelegt hatte, mußte sie einen dänischen Künstler abweisen, der eingeflogen war, um sich die aparte Sechs-Meter-Figur für den eigenen Garten zu sichern. Der Däne ist nach Leningrad weitergereist, denn St. Petersburg hat in dieser Hinsicht noch einiges zu bieten.

Reite und herrsche!

Wenn Mächtige kränkeln, machen sie sich schon mal Gedanken über ihre Nachfolger. In diesen Tagen denkt gerade der syrische Präsident Hafis el-Assad nach – sein Gesundheitszustand ist angegriffen. Nach gründlichem Abwägen fiel seine Wahl auf den ältesten Sohn Basil; er soll künftig das erste Amt im Staate bekleiden. Basil el-Assad ist in Damaskus bislang allerdings mehr durch Leibes-, denn durch Regierungsübungen aufgefallen. Der 29jährige gilt als exzellenter Reiter, schneller Segler und zielsicherer Schütze. Damit der sportive Filius demnächst auch in den militärischen und administrativen Führungszirkeln des Landes Ansehen gewinnt, hat ihm Papa vorsorglich ein hohes Zwischenziel gesteckt: Binnen zwei Jahren soll es Basil zum General gebracht haben, im Galopp sozusagen, aber ohne Kavallerie. Reite, Basil, reite und herrsche, der höchste Sattel in Syrien ist schon warm!

Hilfe für Rußland

Im Mai 1990 wurde von Stern, ZDF und Care die Aktion "Helft Rußland" gestartet. Die Spendenbereitschaft war groß: Insgesamt gingen 138 Millionen Mark ein. Bald gab es Gerüchte, die Lebensmittel und Medikamente "vergammelten" auf der Strecke. Dies ist Unsinn. Der Plan läuft wie vorgesehen. Bis Ende August wurden 600 000 Lebensmittelpakete für 32 Millionen Mark an Bedürftige in der Sowjetunion verteilt, bis Ende November erreichten 450 Tonnen Medikamente 16,6 Millionen Menschen. Ferner sind Instrumente und Geräte für rund 100 Krankenhäuser bestellt sowie die Ausrüstung für ein orthopädisches Kinderhospital plus Rehabilitationszentrum und eine Kinderkrebsversorgung; Kostenpunkt: 68 Millionen Mark.