Rezept für eine Katastrophe", schimpften die einen, "Rezept für eine Revolution", wetterten die anderen. Sowohl die Befreiungsbewegung Afrikanischer Nationalkongreß (ANC) als auch die Ultras der Konservativen Partei verdammten den Entwurf für eine neue südafrikanische Verfassung, den die regierende Nationalpartei (NP) in Bloemfontein vorgelegt hatte.

Kein Wunder: Den linken Schwarzen enthält das Modell zuviel vor, den rechten Weißen nimmt es zuviel weg. In der Mitte indes läßt es Präsident de Klerk und seine Gefolgschaft beinahe ungeschoren nach der Maxime: "Macht abgeben, aber nicht aufgeben".

Sie tun sich offenbar schwer mit den Geboten einer echten Demokratie, in der nun mal der Wille der Mehrheit zählt; ihr Konzept räumt Minderheiten – also auch Weißen – eine herausgehobene Stellung ein: Ein Präsidialrat, zusammengesetzt aus den Vertretern der wichtigsten Parteien und unabhängig von deren Wähleranteil, soll künftig die Geschicke des Landes lenken. Die Staatsmacht soll dezentralisiert, wichtige Kompetenzen sollen nach Schweizer Vorbild auf neun Kantone übertragen werden.

Der Clou des Entwurfs: In den kommunalen Parlamenten soll nicht der Grundsatz one man, one vote gelten, sondern eine Art Zweiklassenwahlrecht: Die Hälfte der Stadt- und Gemeinderäte wird in freien und gleichen Wahlen bestimmt, die andere Hälfte nur von Begüterten gewählt. Wer nichts besitzt – wie die meisten Schwarzen – und daher keine Steuern zahlt, darf nicht an die Urne.

Das Verfassungsmodell – ein frecher Versuch, durch die Hintertür eine Neo-Apartheid einzuführen, wie ANC-Sprecher meinen? Sie vergessen: Es ist nur ein Entwurf, als solcher vielleicht schon bald Makulatur. Aber das Papier zeigt allemal, wie schwer der Abschied von der Allmacht fällt, ill