Unsere Tennis Champions, nach Sieg (respektive Niederlage) mit ihrem Schlägerwerkzeug vor Augen, dachte ich: Wenn nun unsere PolitChampions nach ihren ewig gleichen Unterzeichnungsakten, kurz bevor sie unter dem müden Beifall ihrer Staatsclaque die Mappen tauschen, ihre Füllfederhalter erleichtert hinter sich würfen — Trophäen ihrer Siege (respektive ihrer Niederlagen)?

Nichts da! Als wohlerzogene, von allen Augen der Welt beobachtete SpitzenMenschen tun sie so was selbstverständlich nicht — obwohl doch einen Füllfederhalter im Gegensatz zu einem Tennisschläger eine Aura umgibt. War es nicht einst so, daß der Schüler das Schreiben zuerst mit dem Bleistift, dann mit der Kugelspitzfeder im Holzfederhalter üben mußte, ehe er für reif genug befunden wurde, einen Füllfederhalter zu führen? Den ersten Füller! Das war, sagen wir, wie ein Ritterlein Schlag.

Unterdessen aber war, Jahr und Jahr, das Thema vulgarisiert worden: durch Tintenkuli, Kugelschreiber, Filzstift — durch elektrische Schreibmaschine, Textverarbeitungscomputer, Kopierer, Telefax und dieses ekelhaft glitschige Repropapier — bis sich Ende der siebziger Jahre die Reaktion erhob. Auf einmal begannen die Intellektuellen ihre Sekretärinnen zu hintergehen und sich wieder in selbstgeschriebenen Briefen mitzuteilen, handschriftlich, und dabei das halb vergessene Werkzeug zu verwenden, das wie keines ihre Individualität zu vermitteln imstande ist: den Füllfederhalter.

Also: der Füllfederhalter ist neuerlich zur (feinen) Alltagssache geworden. Erstaunlich, welch lange Briefe damit wieder geschrieben werden, eigenhändig und erkennbar mit Lust — und erstaunlich, daß die Adressaten wieder lernen, als unleserlich verrufene Handschriften zu entziffern, und das womöglich mit Vergnügen, auch wenn es länger dauert.

Ich habe drei Füllfederhalter. Der eine sieht aus wie ein Herr im Frack, schwarz von oben bis unten, der Kummerbund " nisvollen Raffinement des Der Füllfederhalter schwarzen "Tintenleiters" unter golden (sagen wir: goldfarben), der Clip desgleichen, und golden blitzt die Feder. Er ist aus Bakelit (oder einem sich so anfühlenden Kunststoff), leicht, sein Tintentank "im Körper" aus grünem Glas (oder einem so aussehenden Kunststoff), dahinter man erkennen kann, wie weit der Vorrat reicht. Dieser Füllfederhalter (oder: dieser Füllhalter, Füller, Halter) hat, wie es sich für einen derart soignierten Gegenstand gehört, einen Kolben, der beim Hinunterdrehen den Tank säubert, beim Heraufdrehen Tinte ansaugt. Er hat mich noch nie enttäuscht.

Die beiden anderen sind von anderem Stamme: 1973 kreiert, vollständig aus Metall, schwer, es sind lange, dünne, konisch sich leicht verjüngende zylindrische Stifte ohne alles Brimborium, reine Form. Der eine ist ganz schwarz, der andere blinkt metallen, beide sind unübersehbar "funktionalistisch" — und liegen wohl deshalb nicht so selbstverständlich in der Hand wie der Veteran im Frack. Ihre Schlankheit aber ist begründet:

kein Kolben mehr, sondern Patronen.