Die Affäre Klement 1718/20: Phantasien eines Betrügers oder eine österreichisch-sächsische Provokation?

Von Erich Jennewein

Unter konspirativen Umständen trifft sich Preußens König Friedrich Wilhelm I. am frühen Nachmittag des 13. September 1718 in einem Garten am Weidendamm in Berlin mit einem Mann von zweifelhaftem Ruf, aber unbestritten hohen Fähigkeiten, einem gewissen Klement. Dieser hat zum König durchsickern lassen, er sei in geheimen Verhandlungen zwischen dem sächsisch-polnischen Hof Augusts des Starken und dem kaiserlichen Hof in Wien als Kurier tätig. Zwischen dem Grafen Flemming in Dresden und dem Prinzen Eugen in Wien sei eine üble Sache gegen Preußen und den König angesponnen. Er sei bereit, die geheimen Pläne zu verraten und Beweise zu liefern.

Klement war geborener Ungar und ursprünglich lutherischen Glaubens, bevor er im Rahmen seiner Tätigkeit am kaiserlichen Hof zum Katholizismus konvertierte. Zu seinen Aufgaben gehörte auch der Kontakt zum spanischen Kardinal Alberoni, der Europa gegenreformatorisch umgestalten wollte.

Die Verbindung zu Friedrich Wilhelm I. hatte er über den Hofprediger Jablonski geknüpft. Das Gespräch zwischen dem König und Klement fand unter vier Augen statt. Es ging um ein Komplott, das angeblich gegen Preußen geschmiedet wurde, bei dem der König aus Wusterhausen entführt werden sollte. Der sechsjährige Kronprinz Friedrich solle katholisch erzogen werden. Ein Kommando wolle in Berlin eindringen und sich seines Schatzes bemächtigen. Preußen solle verkleinert und wieder auf seinen alten, unbedeutenden Status zurückgeführt werden.

Was Klement mitteilte, hatte Sinn. Seit Friedrich Wilhelm I. regierte, seit er Preußen in so revolutionärer Weise umgestaltet, es auf den Weg zu einem modernen, einflußreichen und vor allem starken Fürstentum im Reich und zu einer Macht im europäischen Staatengefüge geführt hatte, war das Verhältnis zu seinen Nachbarn, Kurfürst August dem Starken, dem Kaiser und dem Haus England/Hannover, immer schlechter geworden.

Der Entführungsplan, von Flemming in Dresden ausgeheckt, schien wahrscheinlich, weil der Sachse mit solchen Plänen jüngst einschlägig in Erscheinung getreten war. Im pfälzischen Zweibrücken saß der vertriebene Polenkönig Stanislaus Leszcynski im Asyl – eine lebende Bedrohung des Königtums Augusts des Starken in Polen. Stanislaus sollte aus Zweibrücken entführt und gegebenenfalls ermordet werden.