Seit dem Mini-Crash vom 19. August bewegen sich die Aktienkurse seitwärts. Die Umsätze sind sehr gering. Auch die leicht gesunkenen Zinsen haben die Kauflust nicht belebt. Nicht einmal die Bankaktien haben davon profitiert. Sie mußten sogar Kursverluste hinnehmen, weil befürchtet wird, daß die Kreditinstitute auf ihre an die Sowjetunion vergebenen Kredite weitere Wertberichtigungen vornehmen müssen. Zwar sind schon in den Bilanzen für 1990 dafür beträchtliche Rückstellungen gebildet worden, aber angesichts der gewachsenen Risiken reichen diese möglicherweise nicht aus.

Das Interesse an Bankaktien ist aber auch noch aus einem anderen Grund gering. Wenn es zu der geplanten Streichung der Steuerfreiheit von Zinsen bestimmter Wertpapiere kommt, die vor dem 1. Januar 1955 ausgegeben worden sind, werden davon die gut verdienenden Banken besonders betroffen sein. Denn erhebliche Teile dieser "Steuerfreien" liegen in den Portefeuilles der Kreditinstitute. Experten schätzen, daß diese Titel mit dem Wegfall der Steuerfreiheit Kursverluste von 25 bis 40 Prozent erleiden werden. Für den Finanzminister wäre dies ein Eigentor, denn die Abschreibungen vermindern die Steuerlast, und zwar in einem Ausmaß, das die Steuermehreinnahmen weit übersteigt. Erst in einigen Jahren dürfte der gewünschte Effekt der Steuermehreinnahmen eintreten.

Positive Kursbewegungen gab es in den letzten Tagen zeitweise erneut bei den Montanaktien. Die Hoesch-Aktie erreichte zu Wochenanfang sogar einen neuen Jahreshöchstkurs. Die bisherigen Vermutungen, nach denen sich in London eine Paketbildung vollzieht, haben neue Nahrung erhalten. Die Thyssen- und Klöckner-Aktien profitieren von Spekulationen über eine steigende Stahlnachfrage im kommenden Jahr als Folge einer erhofften Konjunkturbelebung in den USA und Großbritannien. Die Investitionen in den neuen Bundesländern dürften ebenfalls den Stahlverbrauch erhöhen.

Konjunkturoptimisten sollen sich mittlerweile für die daniederliegenden Maschinenbauaktien interessieren. Im kommenden Jahr werden – so ihr Kalkül – die Aufträge für die Maschinenbauindustrie wieder zunehmen, deshalb müsse man in den Papieren dieses Bereiches engagiert sein. Wer jetzt dazu den Mut findet, kann unter Umständen schon nach sechs Monaten steuerfreie Kursgewinne kassieren. K. W.