Es könnte so gemütlich sein, so kuschelig bequem. Sich dehnen, strecken, richtig rekeln und sorgenfrei in jeden neuen Urlaubstag hineinschlafen. Nur leider gilt die profunde Lebensweisheit "andere Länder, andere Sitten", auch was den Schlaf in fremden Betten betrifft.

Die alten Klagelieder von quietschenden Matratzen und Grand lits, wo zwei zwangsläufig unter einer Decke stecken müssen, wollen wir gar nicht anstimmen. Wir wollen nicht lamentieren über die französische Eigenart, sich Rollen unter die Nackenwirbel zu klemmen, auch nicht über die österreichischen Nachbarn und ihre aufgebauschten Plumeaugebirge, die wie ein Alp auf uns drücken.

Nein, wir meinen diese verlockend komfortablen Kingsize-Betten, die breit, behäbig und einladend im Hotelzimmer prunken, jene Liegewiesen, die den Traum vom wunderschönen Schlaf evozieren. Ab ins Bett also.

Doch eine riesige Tagesdecke breitet sich wie ein Teppich über die Lagerstatt. Wir machen uns ans Werk, die gewaltige Zier herunterzuholen. Ein hartes Abendwerk. Denn schließlich wollen wir das Monstrum ja nicht einfach in eine Ecke schleifen. Ordentlich wird das Ungetüm gefaltet und verstaut. Und dann hinein ins Bett.

Aber wie? Laken und Decken sind festgezurrt als hätte eben erst ein Feldwebel den korrekten Bettenbau kontrolliert. Bleibt nur die schmale Öffnung unterhalb der Kissenkanten. Mit schlangengleichen Bewegungen fädeln wir uns ein. Geschafft. Wir drehen uns vorsichtig hin und her. Aber gemütlich rekeln? Fehlanzeige. Gemartert wie im Prokrustesbett versuchen wir in den Urlaubsschlummer hineinzudämmern. Doch wir finden keine Ruhe im Lakengefängnis.

Mehr Freiheit im Bett – da hilft nur, sich aus der Lage herauszuwinden und mit der Demontage zu beginnen.

Unter Aufbietung aller Kräfte lüpfen wir die bleischwere Matratze, blitzschnell zerren und ziehen wir an den Laken und Decken, nehmen nicht einmal auf unsere sorgsam manikürten Fingernägel Rücksicht. Die Tat scheint vollbracht. Relativ mühelos können wir nun das Bett wieder entern.

Kaum drin, donnern wir mit den Zehen an ein beinhartes Hindernis. Verflixt, wir haben die Bettenburg noch nicht vollends geschleift. Wieder raus und ran mit aller Gewalt an das letzte harte Stück. Ein Rundgang um die Schlafstatt bringt die Gewißheit: Decke, Übertuch und Bettlaken liegen endlich frei. Nichts kann uns mehr einengen. Erschöpft taumeln wir ins Bett zurück. Schlafen, träumen.

Kaum eingenickt, werden wir wach, weil es gar nicht mehr bettkuschelig warm ist. Wir rappeln uns hoch und haben zu kämpfen wie einst Laokoon mit der Schlange. Heillos zerpflügt ist das Bett, das Laken hoch-, die Decke runtergerutscht, das Tuch um uns gewickelt. Mühsam versuchen wir uns wieder eine Schlafstätte zu richten und kriechen zurück zu den Kissen. Die Angst vor neuem Durcheinander raubt uns den Tiefschlaf.

Am nächsten Morgen gleicht das Bett mehr einer Wal- denn einer Lagerstatt. Uns ist die ganze Sache peinlich, und wir beschließen, dem Zimmermädchen gleich einmal ein dickes Trinkgeld im voraus zu geben. Denn eins ist sicher wie das Amen in der Kirche: Urlaubstag für Urlaubstag wird die Bettenfestung wieder betoniert. Da hilft auch kein Betteln.

Monika Putschögl