"Drive Away" nennt sich in Kanada und den USA das Überführen eines Autos. Für Reisende ist dies eine billige Möglichkeit, bequem größere Strecken zurückzulegen.

Unter der Rubrik "Automobile Transport Companies" sind in den Gelben Seiten jeder größeren amerikanischen Stadt Agenturen aufgelistet, die zwischen Fahrer und Autobesitzer vermitteln. Wer von Küste zu Küste fahren will, hat die besten Chancen, schnell einen Wagen zu bekommen. Andere Ziele fordern von den Reisenden mitunter viel Geduld und die Bereitschaft, auf geplante Strecken zu verzichten und von kleineren oder abgelegenen Orten aus zu starten. Es wird also ein großes Maß an Flexibilität erwartet.

Die einzigen Voraussetzungen für den Vertragsabschluß sind das Mindestalter von 21 Jahren und ein gültiger Führerschein des Fahrers; eine ausländische Staatsbürgerschaft ist kein Hindernis. Das Auto ist voll versichert, der Fahrer hinterläßt eine Kaution von 100 bis 250 Dollar. Das Geld erhält er bei Ablieferung des Wagens vom Besitzer oder der Bank der Drive-Away-Firma zurück.

"Vertragsgemäß" bedeutet: Der Fahrer ist an vielfältige Auflagen gebunden. Der Zustand des Autos darf sich durch die Reise nicht wesentlich verschlechtern. Vor dem Start wird jedes Fahrzeug geprüft und der Zustand präzise festgehalten. Interessierte sollten sich vorab die nötigen Vokabelkenntnisse aneignen, denn Begriffe wie Kotflügel oder Bremskraftverstärker liegen Ausländern nicht immer auf der Zunge. Außerdem schreibt die Agentur die Zahl der maximal erlaubter Fahrtkilometer und den letztmöglichen Ankunftstag vor. Der Rahmen ist jeweils eng gesteckt. Für den knapp 5000 Kilometer langen Weg von Boston nach Los Angeles beispielsweise rechnen die Firmen neun Tage. Dabei darf die Länge der direkten Route über die Interstate-Autobahnen nur um zehn Prozent überschritten werden.

Dennoch: Um die Dimensionen und die landschaftlichen Reize Nordamerikas zu erleben, ist das Drive-Away-Auto das günstigste Verkehrsmittel. Der Fahrer zahlt nur den Treibstoff, am Start ist der Wagen bereits aufgetankt. Bei Preisen von 1,10 bis 1,20 Dollar pro Gallone (3,8 Liter) erfordert das Benzin keinen großen finanziellen Aufwand. So muß der Fahrer für die angegebene Strecke Boston-Los Angeles rund 150 Dollar Benzinkosten kalkulieren. Zum Vergleich: Der "Ameri-Pass" für 15 Tage langes Fahren mit den Greyhound-Bussen kostet 360 Mark, die Bahnen verlangen für ihren "National Rail Pass", der 45 Tage lang gültig ist, 299 Dollar. Diese Preise gelten freilich für eine Person, im Auto dagegen kann der Fahrer – je nach Vertragstext – noch Mitreisende zuladen.

Imke Sturm