Haben Sie noch Ihre Milz? Ihre Nieren? Ihr Herz (nicht das auf dem rechten Fleck, sondern das auf der linken Seite)? Sind Sie sich Ihrer Sache auch ganz sicher? Oder kommen Sie vielleicht gerade vom Urlaub in Österreich zurück, wo Sie in einen tödlichen Unfall verwickelt waren? Dann sollten Ihre Hinterbliebenen Sie rasch und bevor sowieso alles eins ist, an den entsprechenden Stellen öffnen und nachschauen lassen, ob noch alles an seinem Platz ist. Sicher ist sicher. Denn in Österreich ist man als touristischer Toter vor nichts mehr sicher, seit der Sprecher des Wiener Gesundheitsministeriums bestätigt hat, daß auch Ausländer nach dem Unfalltod damit rechnen müssen, als Organspender ausgeweidet zu werden. Auf ausdrücklichen Widerspruch wird allerdings auf die Organentnahme verzichtet – in Österreich gelten die Regeln der Demokratie dankenswerterweise auch für die Toten.

Überhaupt lassen sich diesem austriazensischen Umgang mit den ausländischen Besuchern, die vorher das Angebot der Gastronomie und Hotellerie hoffentlich noch ausgiebig genossen haben, bei näherer Betrachtung einige kulturhistorisch wie auch zukunftsweisend interessante Aspekte abgewinnen.

Denn schon die Herrscher des Hauses Habsburg haben sich ja nicht einfach pompös zur ewigen Ruhe betten lassen. Sie haben, schließlich sollten möglichst viele Landeskinder am toten Herrscher partizipieren, das Herz an einem anderen Ort bestatten lassen als den Körper. Und welcher zeitgenössische Künstler verstünde sich besser auf den Umgang mit Blut und Eingeweiden als der Österreicher Hermann Nitsch? Schließlich und endlich: Obwohl Österreich noch nicht Vollmitglied der Europäischen Gemeinschaft ist, setzt es bereits Maßstäbe für die europäische, ja internationale Zukunft. Denn in dem Maße, in dem es sich als Land des unumschränkten Organ-Recycling profiliert, wird es auch zur Montagewerkstatt und Geburtsstätte des wahrhaft kosmopolitischen Menschen. Da könnte sich dann eine Milz aus Paris mit einer Niere aus Chicago, einer Leber aus Elmshorn und einem Herzen aus Neapel in einem Körper aus St. Pölten treffen. Herze, was begehrst du mehr?

Und endlich begreifen wir auch den hintergründigen Hinweis, der im Kürzel der Austrian Airlines liegt, das bislang immer so komisch klang: AUA. Von wegen! Finis