Von Klaus Dermutz

Gert Voss, geboren am 10. Oktober 1941 in Schanghai, ist heute der wahrscheinlich erfolgreichste Schauspieler seiner Generation. Mit Claus Peymann zog er von Stuttgart nach Bochum nach Wien – sein Burgtheaterdebüt mit Shakespeares "Richard III." (1987) überwältigte auch jene Wiener Theaterliebhaber, die eigentlich entschlossen waren, Peymann und seiner deutschen Theaterinvasion bis aufs Blut Widerstand zu leisten.

Seitdem war Voss Peymanns Prospero und Taboris Othello, hat bei Peter Zadek den Shylock und den Iwanow gespielt – und beginnt demnächst mit den Proben zu "Macbeth", Regie wieder Peymann.

In einer seiner schönsten Rollen spielt der Schauspieler Voss einen Philosophen namens Voss, Thomas Bernhard hat die Komödie ihm und zwei großen Kolleginnen gewidmet, ihr Titel: "Ritter, Dene, Voss".

Bernhard Minetti hat in seinen "Erinnerungen eines Schauspielers" von zwei Träumen aus seiner Kindheit erzählt. Einmal träumte er, er sei ein Acker, auf dem Getreide wogt, und im anderen Traum sah er sich daliegen wie "Eisenbahnschienen vor der Einfahrt in eine große Station". Haben Sie von Ihrer Arbeit ähnliche Bilder oder Träume?

GERT VOSS: Erst im Laufe der letzten Jahre hat sich für mich herausgebildet, daß jede Arbeit eine Reise zu einem unbekannten Kontinent ist. Und wenn die Arbeit schön war, war diese Reise besonders abenteuerlich.

Und bei dieser Reise ist es für Sie das Wichtigste, immer einen neuen Körper für Ihre jeweilige Rolle zu finden?