Hat Ihre Geburt in Schanghai und Ihr Aufenthalt in Asien bis zu Ihrem sechsten Lebensjahr Ihren Charakter geprägt?

VOSS: Es hat mich vielleicht insofern beeinflußt, als ich kein Nationalgefühl kenne. Es wäre mir egal, wenn meine Eltern mit mir von China nach Australien gezogen wären, was auch einmal zur Debatte stand. Ich habe zu Deutschland nie eine Beziehung gehabt. Ich fühle mich immer ein wenig als Ausländer. Als ich nach Deutschland kam, war hier der Krieg gewesen. Ich habe staunend Hamburg gesehen, diese zerstörte Stadt. In Schanghai gab es keinen Krieg, es gab ein paar Luftkämpfe zwischen Japanern und Nordchinesen. Der Krieg war mir nicht körperlich bewußt, geistig sowieso nicht. Mein Bruder und ich haben die zerstörten Häuser wie Schatzsucher gesehen. Wir haben den Schrecken gar nicht begriffen.

Das war für Sie ein faszinierendes Abenteuer?

VOSS: Ja. Bestimmte Eigenschaften, die ich an Chinesen schön fand, die Fähigkeit, die ich mit Geduld beschreiben würde, über die sie viel mehr verfügen als wir Europäer ...

Das ist in Ihr Wesen eingeflossen...

VOSS: Das kann ich nicht beurteilen. Mich faszinieren diese Fähigkeiten, auch eine gewisse Art von Gelassenheit.

Die schönste Stelle in Joseph Conrads "Lord Jim" ist für mich jene Passage, wo Marlowe den Deutschen Stein fragt, wie man leben soll. Er antwortet ihm: "Der einzige Weg ist: dem zerstörerischen Elemente gib dich preis, und laß, während du mit Händen und Füßen im Wasser ruderst, das tiefe, tiefe Meer dich aufrecht halten." Was bedeutet es, sich dem zerstörerischen Element preiszugeben?