Glückliche Frauen in Deutschland, glückliche auch in Frankreich, Italien oder Spanien. Bei uns ist die Geschichte wie die kanerinnen aber ist irgendwann ein Malheur widerfahren, ein schweres Ärgernis für die selbstbewußten Frauen dieser Zunge: History notiert erstens als Neutrum, und zweitens konnte nicht ewig verborgen bleiben, daß aus der Vokabel ein verhaßtes bis herausklingt, nichts anderes also als das männliche besitzanzeigende Fürwort mit der Bedeutung sein, nicht ihre? Der Argwohn mußte bitter schmerzen Allerdings ist das bis in history unzweifelhaft nur eine Angelegenheit der Ohren. History kommt wie Historie, histoire und historia aus dem Lateinischen, in dem das verfemte maskuline Possessivpronomen suus hieß, und die Römer hatten sich das Wort wie so vieles andere von den Griechen gestohlen, die den Besitzanspruch des herrschenden Geschlechts grammatisch durch den nachgestellten Genetiv des Demonstrativpronomens autos gleich derselbe anzeigten. Bei ihnen hätte seine Geschichte darum etwas umständlich, aber völlig unverdächtig he historia autou — wörtlich: die Geschichte desselben — geheißen. Ein Argument in feministisch geschärften Gehörgängen aber ist dies wohl nicht. Und so war evolutionäre Abhilfe dringend erforderlich, und zum Glück wurde sie gefunden. Denn: Auf dem amerikanischen Campus heißt Geschichte nun nicht mehr nur history, sondern zumindest wahlweise auch herstory — her wie ihre: ihre Gevon "Websters College Dictionary" das Wort in seine Spalten aufgenommen und es damit, wie hellwach die New York Times anmerkte, für jedermann, nur nicht für Puristen, abgesegnet. "Websters Dictionary" aber akzeptiert keineswegs nur diese Korrektur der Männersprache. Er widmet der Vermeidung sexistischer Sprache im Anhang einen eigenen Abschnitt und rät, geschlechtsspezifische Wörter immer dann durch geschlechtsneutrale zu ersetzen, wenn sie Frauen ebenso betreffen wie Männer. Mensch soll nicht länger man heißen, sondern human being, also menschliches Wesen, Menschheit nicht mankind, sondern hftman race, also Menschenrasse, HausHausbesorger, und Feuerwehrmann nicht fireman, sondern firefighter, also Feuerbekämpfer.

Eine schlüssige Sache, dazu ein Akt der Gerechtigkeit? Einiges bleibt anzumerken. Erstens enthält im Englischen oder Amerikanischen wie das Substantiv woman, also Frau, doch wohl auch das Adjektiv human also menschlich ein man, und die Radikalkur, man hier künftig einfach anders zu schreiben, nämlich m y n statt m a n, schlägt der neue "Websters" seltsamerweise nur für den Plural warnen vor, aber weder für den Singular dieses Schlüsselwortes noch für das Eigenschaftswort human. Die Suche nach einer glücklichen Lösung muß darum zweifellos weitergehen. Ferner: Wollten wir hierzulande der Revolution auf dem US Campus nacheifern, kämen wir nicht weit, denn ein Hausbesorger oder ein Feuerbekämpfer ist im Deutschen nun einmal ein Mann, und wenn wir ihm die weibliche Endsilbe in anhängen, wird aus ihm eine Frau. Beides zugleich wird daraus nie.

Auch die New York Times hat beanstandet daß der "Webstefs" aus unerklärlichen Gründen eine Reihe von Wörtern oder geläufigen Wortverbindungen nicht problematisiert, zum Beispiel den Dies freilich könnte seitens der Feministinnen auch Absicht sein. Sie müßten nur die Haie veranlassen, die Sprachregelung wörtlich zu nehmen und fürderhin allein nach Kerlen zu schnappen. Zwar wäre das sprachliche Problem damit nicht behoben, aber es würde bei hinreichendem Appetit der Haie früher oder später unerheblich.