Keine Talkshow ohne Honeckers einstigen Devisenbeschaffer, den Stasi-Obristen Alexander Schalck-Golodkowski. Keine CSU-Versammlung ohne Aufregung über den Neu-Tegernseer Alt-Fleischhändler. Keine Bonner Cocktailparty mehr ohne Geraune: Wer hat gelogen – der frühere BND-Chef Wieck oder der Geheimdienstaufpasser Stavenhagen? Der Republik sitzt der Schalck im Nacken.

Die Kontrahage zwischen Wieck und Stavenhagen trägt kuriose Züge. Da erbittet der BND-Chef schriftliche Weisung, wie der Überläufer Schalck zu behandeln sei, bekommt aber nur mündliche Instruktion: befragen, nicht betreuen. Also wird Schalck nicht "betreut". In den fünf Wochen zwischen dem 16. Februar und dem 18. März 1990 wird er 31 mal befragt. Die Ausgabe falscher Papiere zur Abschirmung der Aktion gehört in Pullach zur Standardprozedur; die Schalcks erhalten Pässe auf den Mädchennamen der Frau: Gutmann. Dieser Name taucht auch auf einem Aktenvermerk im Bundeskanzleramt auf – also hat Wieck zumindest mündlich informiert. Doch Stavenhagen spielt Hase.

Bürokratische Grabenkriege? Auf jeden Fall sind es Nebenschauplätze. Sie lenken ab von den Machenschaften eines Mannes, der ein treuer Lakai des SED-Regimes war. Welche Schuld er auf sich geladen hat wird wohl nie herauskommen. Gehängt werden kann er bei uns sowieso nicht. Da sollte man den Doctor crimenis causa wenigstens niedriger hängen. Th. S.