Von Gunter Hofmann

Bonn, im September

Hat da einer genickt? Hans-Jochen Vogel hat es deutlich gesehen. Zustimmung für ihn aus den Reihen der CDU!

Vogel hatte moniert, die alten Seilschaften in den neuen Bundesländern seien nach wie vor aktiv und dieser Vorwurf werde dort auch gegenüber der Union erhoben. Sie habe eben die Blockpartei CDU "im Wege der Fusion als Ganzes konserviert".

Lachhaft und absurd fand Helmut Kohl solche Vorwürfe. Bis Vogel ihn eben daran erinnerte, bei seinen Worten sei auch auf den Koalitionsbänken genickt worden. "Wer hat denn genickt? Es hat keiner genickt!" rief der Abgeordnete Jürgen Rüttgers dazwischen.

Was eigentlich ein Bürger der Bundesrepublik davon halten solle, wenn ein veritabler Regierungschef verkünde, "er halte sich nicht mehr an das Grundgesetz, er nehme in Bremen keine Asylbewerber mehr auf"? Als Innenminister Wolfgang Schäuble mit dieser Bemerkung eine Äußerung des Bremer Sozialdemokraten Klaus Wedemeier aufspießte, applaudierten dem Innenminister der Union im Wasserwerk wiederum einige Parlamentarier auf den SPD-Bänken. Aber wahrscheinlich würde auch bei ihnen, fragte man nach, steif und fest behauptet: Es hat keiner geklatscht!

Auf die Frage, was für ein politischer Herbst bevorsteht, geben die kleinen Szenen aus der Haushaltsdebatte schon eine erste Auskunft. Die politischen Verhältnisse erscheinen ziemlich ungeordnet.