Die Geburt der einheitlichen europäischen Währung kommt in eine heikle Phase. Bis Dezember soll der Vertrag über die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion unterschriftsreif sein, doch ist noch nicht geklärt, welche Anforderungen ein Mitglied erfüllen muß. Einiges spricht dafür, daß zunächst nur die sechs wirtschaftlich stabilsten Länder der EG ihre nationale Währung gegen hartes Euro-Geld eintauschen. Deutschland, Frankreich, die Beneluxländer und Dänemark könnten sich auf strikte Spielregeln einigen und wären auch imstande, sie einzuhalten. Die übrigen EG-Länder könnten der Währungsunion beitreten, sobald sie ihre Finanz- und Währungspolitik an der unerläßlichen Disziplin ausrichten.

Die Briten läßt das kalt, sie wollen ohnehin ihr Pfund behalten. Aber Italiener und Griechen laufen gegen ein solches Europa der zwei Geschwindigkeiten Sturm. Schon aus Prestigegründen möchten sie nicht als Europäer zweiter Klasse behandelt werden. Das ist verständlich, denn wer freut sich schon darüber, wenn die Partner mit dem Finger auf einen zeigen. Aber in diesem Fall geht es einfach nicht anders: Nur wenn jeder auf Stabilität im eigenen Land achtet, kann auch das gemeinsame Geld stabil sein. Wenn die künftige Währungsunion nicht von Anfang an eine Stabilitätsgemeinschaft ist, kann sie leicht zur Inflationsgemeinschaft werden.

Aus gutem Grund wehrt sich die Bundesregierung gegen die Beteiligung von Ländern mit hohen Inflationsraten und großen Staatsdefiziten an der Währungsunion. Daß sie deswegen als überheblich gescholten wird, ist nicht tragisch. Ernster sollte sie da schon den Vorwurf nehmen, sie genüge mit ihrer ungezügelten Schuldenmacherei selber nicht den Ansprüchen, die sie an andere stellt. Das kratzt gehörig an der Bonner Glaubwürdigkeit. Falls sich die Geldentwertung beschleunigt, werden die Partner über deutsche Stabilitätspredigten nur noch den Kopf schütteln.

smi