Vor allem "Freude" möchte das neue Blatt seinen Leserinnen und Lesern machen, sie "gern gut unterhalten", aber natürlich nicht die "Augen verschließen vor allen Problemen" – man ahnt es schon: Den Bürgern der neuen Bundesländer soll eine neue Zeitschrift ans Herz gelegt werden. An diesem Donnerstag schickt der Hamburger Bauer Verlag zum Probierpreis von vierzig Pfennig Unsere Illustrierte ins Rennen. Mit einer Startauflage von 900 000 Exemplaren fordert das Hamburger Zeitschriftenhaus (Quick, Neue Revue, Tina) einen Konkurrenten heraus, der schon im August vergangenen Jahres die Ostdeutschen mit einem eigens für sie konzipierten Produkt erfreute: den Münchner Verleger Hubert Burda, der zusammen mit der Nürnberger Gong-Gruppe die Super Illustrierte entwickelte. Inzwischen kommt Super Illu auf eine Auflage von gut 900 000 bei einem Verkaufspreis von einer Mark. So teuer soll alsbald auch das Bauer-Blatt werden.

Die Hamburger Zeitschriftenmacher, die ohnehin ihre Westprodukte im Osten offerieren, ließen sich ungewöhnlich viel Zeit, um ein Blatt eigens für die Neubundesbürger zu basteln. Gewöhnlich reagiert der Gigant äußerst schnell auf erfolgversprechende neue Objekte der Konkurrenz. Verleger Heinz Bauer jedoch, so wird das lange Zögern erläutert, habe nicht auf die Konfliktgeschichte West gegen Ost reagieren wollen. Aber da sollte wohl auch noch genau eruiert werden, ob im Osten länger ein eigenständiger Markt existiert. Der Burda Verlag reagiert mit Selbstbewußtsein: "Wir sind", so Firmensprecher Jens Meyer, "eindeutig Marktführer."

Dritter im Bunde der von Wessis für den neuen Markt konzipierten Zeitschriften ist das extra Magazin, das im Berliner Verlag erscheint und zum Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr gehört. Doch in direkter Konkurrenz zu Bauer und Burda möchte sich extra-Chefredaktuer Klaus Liedtke nicht sehen. Statt der Mischung von Ratgebergeschichten und Lebenshilfe in Sachen Sex setzt er stärker auf politische Geschichten und Enthüllungsstories. Mit dem Branchenspott, der "stern für Arme" zu sein, kann er gut leben.

Auf dem Schreibtisch von Jürgen E. Schrempp, dem Chef des Luft- und Raumfahrtunternehmens Deutsche Aerospace AG (Dasa), liegt zur Zeit ein Angebot, das ihn in Ratlosigkeit stürzt. Der spanische Staat will das Flugzeugbauunternehmen Construcciones Aeronáuticas S.A. (Casa) an private Investoren verkaufen; Dasa, eine Tochtergesellschaft von Daimler-Benz, soll sich mit über 25 Prozent am Grundkapital beteiligen. Die Deutschen, die im Luft- und Raumfahrtbereich zwar gerne grenzübergreifende Verflechtungen eingehen, halten sich in den Verhandlungen mit den Spaniern aber auffällig zurück. Denn das Staatsunternehmen mit seinen etwa 10 000 Beschäftigten produziert neben Flugzeugen und Teilen für den Airbus auch große Verluste. Allein in diesem Jahr soll das Minus rund 200 Millionen Mark betragen, mehr als zehn Prozent des Umsatzes.

Für Dasa-Chef Schrempp und seinen Aufsichtsratsvorsitzenden Edzard Reuter, den Vorstandschef von Daimler-Benz, ist die Entscheidung heikel. Greifen sie zu, so beteiligen sie sich an einem Unternehmen, das ein radikales Sanierungsprogramm braucht, aber ihnen, kaum Dienste anbieten kann, die die Dasa nicht ebensogut von ihren Tochtergesellschaften Dornier oder MBB haben könnte. Lehnen sie ab, so fürchten sie den Ärger des Ministerpräsidenten Felipe Gonzalez. Denn Daimler-Benz hat in Spanien eine Fabrik für Nutzfahrzeuge und möchte mit Lastwagen auf der iberischen Halbinsel verstärkt Geschäfte machen.

Wie rasch sich gute und schlechte Zeiten ablösen, erleben derzeit die Frankfurter Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) und die schwedische Coronado-Immobilien-Gruppe. Vor drei Jahren mußte die BfG ihr schmuckes Mehrzweckhochhaus am Frankfurter Theaterplatz notgedrungen an die Schweden verkaufen. Doch nun ist die Coronado-Gruppe selbst in Finanznöte geraten und bietet den Wolkenkratzer über diverse Makler Gott und der Welt zum Kauf an. Einer der Interessenten: die BfG. Denn bei der einstigen Gewerkschaftsbank geht es wieder aufwärts, und diese Entwicklung würde der Vorstand gerne aller Welt gut sichtbar präsentieren, am liebsten durch den Rückkauf des einstigen Statussymbols.

Die von Vorstandschef Paul Wieandt für dieses Jahr vorausgesagte "schwarze Null" in der Bilanz der BfG wird vermutlich weit übertreffen. In den ersten sechs Monaten 1991 erzielte die Bank ein Ergebnis von plus 121 Millionen Mark vor Steuern – im Vergleich zu minus 38 Millionen Mark im Vorjahr. Langsam wird die Vergangenheit abgestreift. In den achtziger Jahren war die BfG in den Affärenstrudel deutscher Gewerkschaftskonzerne geraten.