Als wirtschaftliche und schnelle Alternative zum Flugzeug erlebt die Bahn in den USA eine Renaissance. Wettbewerbsfähig sind vor allem die mehr als zweihundert Stundenkilometer schnellen "Metroliner" und die superschnellen "Express-Metroliner", die beispielsweise die "Rennstrecke" von Washington D.C. nach New York in zweieinhalb Stunden bewältigen. Dabei liegen die Tarife vierzig Prozent unter den Preisen für ein Flugticket.

Zudem wird höherer Komfort geboten, und die bisweilen quälend langen und teuren Taxifahrten vom Flughafen in die City entfallen. Nach der staatlich verordneten Fusion der Regionalgesellschaften zur Amtrak sind viele Nebenstrecken stillgelegt worden. Doch das Netz umfaßt mehrere Nord-Süd-Verbindungen zwischen den Zentren an Ost- und Westküste sowie von den Großen Seen zum Golf von Mexiko und außerdem vier West-Ost-Linien. Verbindungen zwischen den Wirtschaftszentren werden ebenso angeboten wie zwischen beliebten Touristenzielen.

Reisende haben bei Fahrten mit dem "Metroliner" die Wahl zwischen der "Coach Class", die der 2. Klasse in den deutschen Intercity-Großraumwagen entspricht, und der teureren und bequemeren "Club Class". Deren Liegesitzkomfort läßt sich mit der 1. Klasse der Bundesbahn-Intercitys vergleichen. Wer in der Club Class zusätzlich den "Club Service" gebucht hat, wird während der Fahrt mit Mahlzeiten, Getränken und Zeitungen versorgt.

Ein Unterschied zum IC-Angebot der Bundesbahn besteht darin, daß für alle Metroliner-Verbindungen Platzreservierungen erforderlich sind. Stehplätze im Gang gibt es nicht. Allen Passagieren stehen Telephone zur Verfügung, Geschäftsreisende können sich während der Reise in den "Conference Cars" zu Besprechungen treffen. Den maximal acht Teilnehmern im Zug werden dabei auf Wunsch weitere Gesprächspartner via Video-Konferenz-Technik zugeschaltet.

Auf den Bahnhöfen schließlich ist Amtrak schon ein Stückchen weiter als die Bundesbahn – zumindest, was die Penn Station in New York, in Philadelphias 30th Street und in der Washingtoner Union Station betrifft: Anstelle eines zugigen Bahnsteigs oder eines öden Warteraums finden die Fahrgäste hier eine angenehme "Metropolitan Lounge" vor, in der auch Snacks und Getränke offeriert werden. Neben der Verbindung Washington-New York-Boston nutzen die Reisenden vor allem die Linien Milwaukee-Chicago, Chicago-St. Louis, Chicago-Detroit sowie an der Westküste die Strecke Los Angeles-San Diego.

Nicht minder attraktiv, aber zeitaufwendiger sind längere Bahnreisen kreuz und quer durch die USA. Allerdings sollte man hier nicht allzu engen Terminplänen unterworfen sein, denn auf den langen Transkontinentalstrecken verkehren die Züge meist nur einmal pro Tag – bisweilen mit beträchtlichen Verspätungen. Empfehlenswert sind vor allem die komfortablen Schlafwagenangebote. In den "De Luxe Bedrooms" haben die Reisenden sogar ein eigenes Badezimmer mit Dusche, Waschbecken und WC, eine Ausstattung also, die für die Bundesbahn noch Zukunftsmusik ist.

Auf längeren Bahnfahrten sind auch die "Amtrak-Rail-Pass"-Angebote zugeschnitten. Sie gelten jeweils 45 Tage lang in der Coach Class und erlauben beliebig viele Stopps. Reisende haben die Wahl zwischen vier "Regional-Rail-Pass"-Angeboten für die Bereiche Florida (69 Dollar), Eastern und Far Western (je 179 Dollar) und Western (229 Dollar). Daneben gibt es den "National Rail Pass", der für das gesamte Netz gilt und 299 Dollar kostet. Zum Vergleich: Der Grundpreis für die Strecke New York-San Francisco liegt sonst allein bei 324 Dollar. Wer mit dem Rail-Pass reist, kann durch eine Zuzahlung in die Club Class wechseln – auch auf einzelnen Strecken.

Reservierungen können bereits in der Bundesrepublik über die DER- und abr-Reisebüros oder deren Agenturen erfolgen. Hans-Jürgen Klesse