Monatelang kamen die wirtschaftlichen Hiobsbotschaften aus Ostdeutschland, während westdeutsche Unternehmen immer neue Auftragsrekorde meldeten. Die jüngsten Daten deuten nun auf eine Trendwende.

Zwar lag das Auftragsniveau in den fünf neuen Bundesländern im Juni immer noch um fast 25 Prozent niedriger als im Durchschnitt des zweiten Halbjahres 1990. Doch die Stimmung in der ostdeutschen Industrie hat sich laut Ifo gegenüber Mai deutlich verbessert. So hat die Zahl der Unternehmen, die in nächster Zeit mit einer Produktionssteigerung rechnen, zugenommen.

Im Baugewerbe hat sich diese Erwartung bereits im Juni bestätigt. Im Tiefbau ist die Bautätigkeit kräftig gestiegen, im Hochbau scheint der Rückgang gestoppt. Die Auftragsbestände sind von zwei auf 2,2 Monate gestiegen. Für 1992 rechnet das Münchner Institut mit einer Ausweitung der realen Bauinvestitionen um zehn bis fünfzehn Prozent.

In der Textilindustrie ist der Nachfrageeinbruch vom Mai durch ein Auftragsplus von 25 Prozent im Juni wettgemacht worden. Auch der Maschinenbau und das Investitionsgüter produzierende Gewerbe verbuchten je 18,5 Prozent mehr Bestellungen.

Demgegenüber zeigt die Konjunktur in den alten Bundesländern ganz leichte Schwächetendenzen. Die vom Ifo-Institut befragten Unternehmen beurteilten im Juli ihre Auftragsreserven deutlich schlechter als im Vormonat, für die kommenden Monate rechnen die Betriebe mit keiner wesentlichen Besserung.

mhf