Natürlich war das ein Knüller, den Sat 1 sich mit dem Auftritt von Alexander Schalck-Golodkowski in Talk im Turm gesichert hat, und gewiß hat der Privatsender sich das was kosten lassen. Kollegen von der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz schätzen Schalcks Honorar für die Rolle als Watschenmann am Sonntagabend zwischen 30 000 und 50 000 Mark. Dafür würde Pavarotti kaum singen, aber das hat ja auch Schalck nicht getan. Dafür setzte er sich in eine Runde, die man einigermaßen prominent nennen darf, und hörte vor allem zu, wie über ihn geredet und geurteilt wurde, als säße er nicht da.

Über das, was man von Schalck gerne wüßte, gab es wenig zu hören. Gelegentlich mochte man meinen, die Runde habe sich darauf verständigt, was alles an Spannendem nicht gefragt werden sollte oder vielleicht auch nicht gefragt werden durfte. So kam die Sache mit Strauß kaum und die mit den Personalpapieren des BND überhaupt nicht zur Sprache.

Die Veranstaltung, die politische Bedeutung hätte haben können, war letztlich nicht mehr als Showbusiness, wenngleich von extravaganter Art. Der Star war da, aber er trat kaum in Aktion. Dem Bundestagsausschuß hat die Schalck-Show keine Arbeit abgenommen.

Das sei keine Gerichtsverhandlung, sagte Erich Böhme an einer Stelle. Wie die anwesenden Herren – von Bülow, Gauck, Strauß jun., Gauß und Eylmann – über den gleichfalls anwesenden Schalck-Golodkowski berieten, wie sie belastende und mildernde Umstände sortierten und darüber diskutierten, ob "Schalck", wie sie den großen Dabeisitzer zumeist nannten, eher ein riesiger Lump oder ein kleines Licht im Geflecht der DDR-Nomenklatur gewesen ist, das erinnerte ein wenig an die Beratungen eines Schöffensenats.

Der Stasi-Beauftragte Joachim Gauck jedenfalls stufte Schalck aus seiner Sicht und Erfahrung als ehemaliger DDR-Bürger als relativ unbedeutend ein: "Schalck ist eher uninteressant. Warum reden wir über ihn ...? Warum sprechen wir nicht über das Politbüro?"

Vielleicht hätten die beiden Herren vom Schalck-Ausschuß des Bundestages doch überlegen sollen, ob sie dieser gewiß unterhaltsamen öffentlichen Vermarktung ihres Objekts nicht besser ferngeblieben wären. Der SPD-Abgeordnete Andreas von Bülow sagte zwar, ehe er sich wie ein Staatsanwalt über Schalck-Golodkowski hermachte, "daß alles, was ich hier sage, nicht mein endgültiges Urteil sein muß". Danach hatte man aber doch den Eindruck, daß sein Urteil über den Zeugen Schalck und dessen Glaubwürdigkeit weitgehend feststeht.

Horst Eylmann, der CDU-Mann und Ausschußvorsitzende, hielt sich vergleichsweise zurück ("Ich will nicht voreilig den Stab brechen"). Weniger erregt als sein sozialdemokratischer Kollege, machte er eine deutlich bessere Figur.