Jubel auf dem Tito-Platz in Skopje, Zehntausende feierten ein erfolgreiches Referendum: 95 Prozent der mazedonischen Wähler hatten am vergangenen Sonntag für die Selbständigkeit und Souveränität dieser jugoslawischen Teilrepublik gestimmt. Der nächste Vielvölkerstaat im Vielvölkerstaat will unabhängig werden – der nächste Krieg?

In der Republik Mazedonien – 2,5 Millionen Einwohner – leben neben der Titularnation noch Albaner, Serben und Türken. Bereits am Wahlabend wurde bekannt, daß die Wahlbeteiligung in den albanischen und serbischen Gemeinden und Gebieten nur bei zwanzig bis dreißig Prozent lag. Beide Volksgruppen – die Albaner sehen sich als "Bürger zweiter Klasse" behandelt – waren also dem Aufruf ihrer Politiker gefolgt, das Referendum zu boykottieren.

Dies konnte die Unabhängigkeits-Euphorie im Stadtzentrum von Skopje nur wenig bremsen. Freilich, den Weg Sloweniens und Kroatiens wollen die Mazedonier nicht gehen. Die politische Führung erhebt keinen Anspruch auf internationale Anerkennung, sondern hängt dem Konföderationsgedanken an. Man will Verhandlungen über eine Umwandlung Jugoslawiens in einen lockeren Staatenbund. Wird diese Position eine Zuspitzung der Konflikte vermeiden helfen?

Ganz so geheuer war den fahnenschwenkenden Mazedoniern der Sieg im Referendum vielleicht doch nicht. Von vielen serbischen Politikern wird Mazedonien im Grunde als "südserbische Provinz" angesehen. Auch besteht in Belgrad wenig Neigung, nach einem Ausscheiden Sloweniens und Kroatiens eine andere als eine großserbische Lösung anzustreben und das offiziell gehandelte Konföderationskonzept noch allzu ernst zu nehmen.

An eine souveräne Provinz hatten die Massen in Skopje nicht gedacht, als sie ihre Unabhängigkeit hochleben ließen. ko.