Seit einigen Jahren erfreut sich die Philosophie auch außerhalb der Universitäten einer erstaunlichen Nachfrage. Sie wird von vielen als ein Angebot für den Umgang mit diversen Sinnkrisen erfahren. Sogenannte "Philosophische Praxen" sprießen wie Pilze aus dem Boden, in denen sich Weisheitslehrer einem interessierten Publikum als gebildete Gesprächstherapeuten anbieten. In Ethik-Kommissionen, die die moralischen Probleme eines hochgradig verwissenschaftlichten und technisierten Handelns in den Griff bekommen sollen, nehmen Philosophen einen prominenten Platz ein. Manager buchen Philosophiekurse, um sich in aktuelle theoretische Debatten einführen zu lassen. Sie erhoffen sich davon eine Stärkung ihrer Entscheidungs-Kompetenz und der Fähigkeit, ihre Entscheidungen nach außen zu vertreten. Auch die Publikationslandschaft zeugt von der Marktgängigkeit der Philosophie: Mehrere Verlage konkurrieren mit handlichen Einführungen in das Werk der "Großen Denker".

In dieser Situation stellt das neue "Philosophielexikon" ein attraktives Angebot dar. In meist knappen Artikeln werden Autoren und Sachgebiete vorgestellt. Einige kleine Abhandlungen zu zentralen Begriffen – wie Freiheit und Arbeit, Substanz und Kategorie – erreichen wohl ein Höchstmaß an Klarheit und Verständlichkeit; diese ausführlicheren Abschnitte, die systematische Fragestellungen gliedern und ihre historische Entfaltung skizzieren, verleihen dem Nachschlagewerk eine Tiefenperspektive. Dem Laien gibt es eine optimale Hilfe an die Hand für ein Philosophieren, das die Herausgeber verstanden wissen wollen als "argumentative Tätigkeit, die darauf abzielt, mit Gründen und Gegengründen sich selbst und anderen Rechenschaft zu geben über die fundamentalen Voraussetzungen unseres Denkens, unseres Seins und unseres Tuns". Unter den Bedingungen der "Postmoderne", so die Herausgeber, gewinnt diese Tätigkeit erhöhte Bedeutung, ja wird "ein Humanum schlechthin": Da jeder Mensch in der pluralistischen Gesellschaft verschiedene Rollen zugleich ausfüllen muß, wird er immer häufiger gezwungen, gegenüber fremden Personen die Voraussetzungen seines Denkens und Handelns darzulegen. "Die Fähigkeit, unser Tun auch anderen verständlich zu machen, ist zu einer Lebensnotwendigkeit geworden." Angesichts dieser neuen Relevanz philosophischer Praktiken kann man dieses Lexikon getrost als verläßliche philosophische Hausapotheke empfehlen.

Andreas Kuhlmann

  • Philosophielexikon

Personen und Begriffe der abendländischen Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart; herausgegeben von Anton Hügli und Poul Lübcke; Rowohlt Verlag, Reinbek 1991; 646 S.; 78,– DM