Fast sollte man die Moskauer August-Putschisten für den Friedensnobelpreis vorschlagen. Denn durch ihr klägliches Scheitern haben sie den Drohapparat der Sowjetunion ausgehebelt, nach innen wie nach außen.

Allerdings schafft der Verfall eines mit Atomwaffen gespickten Einheitsstaates neue Gefahren, zumal wenn an seine Stelle viele kleinere Kernwaffen-Staaten träten. Die neuen Führer in Rußland und in anderen Republiken fordern deshalb die radikale nukleare Abrüstung.

Aus Washington kommt nun die vorsichtige Antwort. Verteidigungsminister Cheyney will im Oktober mit seinen Nato-Kollegen über den Abzug atomarer Kurzstreckensysteme aus Europa sprechen. Ein solcher Schritt – am besten durch raschen, einseitigen Abzug – ist längst überfällig, aber deshalb ist der Vorstoß nicht weniger zu begrüßen.

Zwar trübt es die Freude ein wenig, daß eines der Motive für das Washingtoner Signal darin liegt, mit dieser Initiative die umfassende Überprüfung der westlichen Nuklearstrategie zu vertagen. Insbesondere die so empfindsamen Deutschen sollen keinen Vorwand erhalten, weitreichende Atom-Optionen, von denen mancher im Bündnis noch nicht lassen will, in Frage zu stellen.

Sei’s drum: Wenn Cheyneys Plan gebilligt wird, gibt es in Europa bald einige tausend Kernsprengköpfe weniger. Über den Rest läßt sich später streiten. cb.