Von Karl-Heinz Büschemann und Roger de Weck

ZEIT: Herr Schieren, macht es Ihnen Spaß, einer der mächtigsten Männer der Bundesrepublik zu sein?

Schieren: Selbst würde ich mich nie so einstufen, obwohl ich zwanzig Jahre lang an der Spitze der Allianz gestanden habe und in dieser Zeit einiges habe bewegen können. Dazu gehörte auch das Steuern erheblicher finanzieller Mittel, die im Sinne von Versicherten und Aktionären zu optimieren waren, und zwar als Anlage in Grundbesitz, Hypothekendarlehen, Rentenpapieren oder Aktien. Gerade bei Aktien muß neben der Rentabilität auf Sicherheit Wert gelegt werden. Deshalb ist eine gewisse Konzentration der Investitionen auf bedeutende Industrie- und Dienstleistungsunternehmen, also die Bildung von Paketen oder Beteiligungen, gar nicht zu vermeiden.

ZEIT: Darauf gründet eben Ihre Macht.

Schieren: Unterstellt, Sie hätten recht, dann gäbe eine solche Macht so lange keinen Anlaß zur Diskussion, als es keinen mißbräuchlichen Umgang mit ihr gibt.

ZEIT: Sie sind an vier der größten deutschen Banken beteiligt. Die Allianz besitzt ein Viertel der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank und zehn Prozent der Commerzbank. Bei der Deutschen Bank ist sie einer der größten Aktionäre. Zudem haben Sie nun Ihren Anteil an der Dresdner Bank auf 23 Prozent erhöht. Hatten Sie den Vorstand der Dresdner darüber informiert, daß Sie Ihre Beteiligung massiv aufstocken würden?

Schieren: Sie überschätzen unser Engagement bei der Commerzbank erheblich. Bei der Dresdner Bank hielten wir seit vielen Jahren schon ein sehr gewichtiges Aktienpaket. Offensichtlich war die Höhe unserer Beteiligung für die Öffentlichkeit eine Überraschung. Möglicherweise hat das Gesamtinvestment auch den Vorstand der Dresdner beeindruckt.