Rudolf M schrieb uns einen offenen Brief. Er fragt uns und "die karrierelüsternen Marketingjungs" der Braun AG in Kronberg, "was denn unser Braun Rasierer verbrochen hat, daß er sonntags im Kreis herum Spießruten fahren muß?"

Nun, wir wußten es nicht. Zugegeben, wir wußten nicht nur nicht, was "unser Braun Rasierer" verbrochen hatte, wir wußten nicht einmal, daß er sonntags im Kreis herum Spießruten fahren muß. Und vorstellen konnten wir uns das eigentlich auch nicht so recht. Doch glücklicherweise lieferte Rudolf M die Antwort gleich mit.

In einem Flugblatt, dessen Urheber er selbst sei, hätten Mitarbeiter der Braun AG bissige Kritik "am haarsträubenden Engagement ihres Unternehmens im Formel 1 Zirkus" geübt: Zwanzig Millionen Mark verpulvere der Elektrokonzern als neuer Sponsor des erfolglosen TyrrellHonda Teams. Und die Geschäftsleitung sei schlicht "realitätsblind", da sie in Reklameschriften die Unternehmensphilosophie mit dem Sportsgeist der Formel l gleichsetze: funktionelles Design, HighTech, Leistung und Klarheit am Produkt, verbunden mit höchster Qualität. Hämisch stellt Rudolf M im Namen der Braun Mitarbeiter fest, daß es vor allem mit der Qualität wohl nicht allzuweit her sein könne, wie das letzte Formel 1 Rennen auf dem Hockenheimring gezeigt habe: Einer der beiden von Braun gesponserten Qualitäts Sportwagen gab nach ein paar Ehrenrunden seinen Innovations- und Sportsgeist einfach auf, der andere erreichte zwar das Ziel, indes als letzter.

Daß auch Rudolf M sein Ziel erreicht, daran mögen wir nicht mehr zweifeln, seit der Spiegel über den Fall berichtet hat. Allein, was übersehen wurde: Rudolf M. ist gar kein Mitarbeiter der Braun AG. Er ist Rentner. Und die wirklichen Mitarbeiter? Die standen Schlange, als ihr Arbeitgeber fünfzig Eintrittskarten für das Formel 1 Rennen auf dem Hockenheimring verloste.

Zuhälter war dieser Schalck Golodkowski also auch. Wir erfahren das aus authentischer Quelle, nämlich von Angelique: "Ab 1984 stand meine kleine Muschi im Dienst des großen Schalck Golodkowski" beichtet sie nun. Geschlafen hat sie mit ihm selbst aber nicht ("Ich habe mich vor Entsetzen bei dem Gedanken geschüttelt"). Mit dem Junior des Chefs hätte sie es wohl gern getan, zumal der kaum "in die ganzen miesen Geschäftspraktiken der Koko eingeweiht gewesen ist". Scheint aber nicht geklappt zu haben.

Irgendwie ist alles sehr ärgerlich.

Denn, so macht sich Angelique Luft, " die Verbitterung über diese Knülche sitzt tief bei mir. Wenn ich mir bei der Körperpflege meine Schamhaare kämme, streichle ich manchmal darüber und sage zu mir: arme kleine Muschi, was hast du für diese Verbrecher alles mitmachen müssen?"