Der Schatten Cäsars?

Die Herzlichkeit, mit der Carl-Dieter Spranger diese Woche in Sanaa empfangen wurde, hat gute Gründe: Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit war das erste Kabinettsmitglied eines westlichen Landes, das den Jemen nach dessen Freundschaftsbekundungen für Saddam Hussein während des Golfkrieges besuchte. Deutschland ist Jemens wichtigster und mittlerweile fast einziger Entwicklungshelfer. Einige jemenitische Würdenträger erkannten in Spranger zugleich einen hochmögenden Zeitungsverleger, der ihre Nöte an die deutsche Öffentlichkeit bringen könnte. Einigermaßen überrascht blätterten daraufhin Botschaftsmitarbeiter in Sprangers Lebenslauf. Sie fanden jedoch keinen Hinweis auf die Identität von Carl-Dieter Spranger und Axel Cäsar Springer.

Amtsliteratur

Ein ergreifendes Beispiel wirklich funktionierender Bürokratie wird aus Salzburg gemeldet. Franz Spitzauer, Sekretär des freiheitlichen Landrates Volker Winkler, suchte im März dieses Jahres bei der Amtsbibliothek um die "Anschaffung von Amtsliteratur" nach. Es ging um eine deutsche Wochenzeitung. Das Ansuchen wurde genehmigt, die Amtsliteratur jeden Freitag dem Büro Winkler zugestellt – freilich immer eine Woche im Verzug, denn gut Ding braucht Weile. Die Amtsbibliothek beauftragte eine Buchhandlung, die Zeitung zu bestellen. Von dort ging sie ans Amt der Landesregierung, von dort zur Amtsbibliothek, wo eine Sekretärin den Erhalt abzeichnete, damit dem Weitertransport nichts im Wege stand. Schließlich landete das Blatt bei Spitzauer. Bockig auf Aktualität erpicht, verhandelte der Sekretär mit dem Beamten der Amtsbibliothek. Der, Akademiker, erklärte sich nur für Bücher zuständig, die man ins Regal stellen kann. Aber leider habe er das Abonnement für dieses Jahr nun schon aus seinem Haushalt bezahlt. Und so wurde die ZEIT erstmals zu einem Buch, das man ins Regal stellen kann.

Ausgezeichnet

Der ZEIT- Mitarbeiter Reinhard Merkel hat den Jean-Amery-Preis für Essayistik zugesprochen bekommen. Die Jury des Preises, der mit 10 000 Mark dotiert ist, sieht in Merkel einen Essayisten, "der in einer Zeit großer politischer und intellektueller Umbrüche auf der Tradition der Aufklärung beharrt, indem er sie kritisch weiterführt". Der Preis soll am 31. Oktober im Literaturhaus Hamburg verliehen werden.