Wolfram Krause, der einzige Ostdeutsche im Vorstand, trägt noch an seiner Vergangenheit

Von Peter Christ

Im Vorstand der Anstalt zur treuhänderischen Verwaltung des Volkseigentums ist Wolfram Krause ein Unikum. Er ist der einzige, um dessen Anteil am Volkseigentum es wirklich geht, weil in diesem Gremium niemand außer ihm Bürger der ehemaligen DDR war. Daß ausgerechnet er auch noch für die Finanzen der Treuhand verantwortlich ist, das wundert Wolfram Krause manchmal selbst.

"Eigentlich bin ich nur hier, weil ich schon immer da war", meint er und offenbart damit ein Maß an Selbstzweifel, das einem westdeutschen Manager wohl nie über die Lippen käme. Tatsächlich gibt es niemanden, der länger als Krause bei der Treuhand arbeitet. Er gehörte zu jenen Wirtschaftsreformern in der DDR, denen schon Anfang 1990 die Idee kam, eine Institution zu gründen, die das volkseigene Vermögen verwalten und vor dem habgierigen Zugriff der alten Bonzen und neuen Seilschaften schützen sollte.

Als der Ministerrat der DDR am 1. März 1990 noch unter dem Ministerpräsidenten Hans Modrow die Gründung der Treuhandanstalt beschloß, avancierte Krause zum stellvertretenden Vorsitzenden des Direktoriums. Das blieb er auch, als die erste und letzte demokratisch gewählte Regierung der DDR ins Amt kam. Einige Wochen leitete er sogar die Geschäfte der Anstalt, bis Rainer Maria Gohlke Präsident der damals umorganisierten Treuhand wurde.

Krause war also tatsächlich schon immer da. Allerdings ist er nicht sicher, ob er jetzt als Finanzchef der Treuhandanstalt die ideale Besetzung ist. "Wenn heute die Stelle eines Finanzchefs der größten Industrieholding der Welt ausgeschrieben würde, dann kämen doch Bewerber mit ganz anderer Erfahrung in Betracht als ich."

Gewiß, ist es ungewöhnlich, daß nicht ein gestandener Banker oder Finanzfachmann aus einem großen westdeutschen Konzern den Treuhand-Etat von knapp 37,7 Milliarden Mark verwaltet, sich um die Finanzierung des Defizits von 20,8 Milliarden Mark kümmert, darauf achtet, daß die Ausgaben nicht außer Kontrolle geraten. Der Finanzchef der Treuhand rechnet mit einigen Unbekannten von großem Gewicht. So kennt niemand den Aufwand, der für die Beseitigung der ökologischen Altlasten in den ehemals mehr als 10 000 Treuhand-Betrieben fällig wird, auch die Einnahmen aus den Firmenverkäufen sind nicht zuverlässig zu planen. Angesichts dieser Risiken kann ein Finanzchef irgendwann in die Bredouille geraten – gleichgültig, ob er seine Erfahrungen in der Finanzabteilung der volkseigenen Elektro-Apparate-Werke oder in einer westdeutschen Großbank gesammelt hat.