Die beste Wahlparty, die Schweden je erlebt hat", versprach Ian Graf Wachtmeister, der Führer der Neuen Demokratie, die nun in Schweden das Zünglein an der Waage spielt. "Mehr Spaß im Leben" lautete der Wahlslogan dieser erst vor kurzem gegründeten folkloristischen und populistischen Bewegung. Doch ausgerechnet die lutherisch geprägten, nüchternen Schweden haben ihr zum Sprung in den Reichstag verholfen.

Die Nordländer haben genug von ihrer – mit kurzer Unterbrechung – seit 59 Jahren regierenden Sozialdemokratie. Sie wollen nicht mehr ihr Leben lang gegängelt werden, so wohlmeinend das auch geschieht. Sie entschieden sich klar gegen die rote Machtpartei – aber zugleich nur vage für eine bürgerliche Regierung. Das nordische Musterland dürfte deshalb allenfalls ein klein wenig "unschwedischer" werden. Die angekündigte konservativ-liberale Revolution wird ausbleiben, zumal die Sozialdemokraten nicht die einzigen Architekten des schwedischen Modells sind; jahrelang haben die Bürgerlichen wacker daran mitgebaut.

Selbst wenn sie die radikale Wende wollten, könnten sie sie nicht erzwingen. Die vier Rechtsparteien müssen sich erst zusammenraufen. Ihre Mehrheit bleibt unsicher und steht unter der Drohung vorzeitiger Neuwahlen.

Über die Grenzen hinaus hat aber der Wahlausgang im Norden Signalwirkung. Bislang hatte Europa den jungen Demokratien im Osten zwei Modelle anzubieten: das schwedische mit seinem ausgebauten Sozialstaat, hoher Inflation und verschwindend geringer Arbeitslosigkeit und das der EG mit Wirtschaftsliberalismus, rigider Währungspolitik und zehn Prozent Stellungslosen.

Nachdem nun die Schweden selbst ihr Modell abgewählt haben, bleibt nur noch das großeuropäische – die Auswahl wird einfach, aber einseitig. F. G.