Man ahnte, nun weiß man es. So sah er aus, der tote Chris Gueffroy: tot. Die Augen aufgerissen und dort, wo das Herz geschlagen hatte, ein Schußkanal.

Bild dokumentierte – auf Seite 1, wie gewiß erforderlich, und aus moralischen Gründen: Honecker möge sich diesem Photo stellen, wenn er Mut habe. Der Mutter des Toten, Karin Gueffroy, gebrach es daran wohl leider, als tags zuvor Super Illu ähnlich letzte Bilder druckte und ein Redakteur ihr die Mutprobe im Gerichtssaal andiente.

Schreckensbilder sind Dokumente: die Leichenberge von Auschwitz, Eddie Adams’ Foto vom Mord an einem Vietcong, die weiße Wolke, in der Challenger verbrannte, Barschel in der Wanne, die jugoslawischen Toten, en gros und en détail ... Es werden immer mehr. Wo endet die Chronistenpflicht, wo hilft sie nur noch dem Publikum zur geilen Unschuld?

Die vielen wahren Bilder lügen: Sie tragen kein Entsetzen mehr weiter. Ein Medium verfällt – der Ohnmacht und dem Zynismus. Das Bild in Bild war Service für uns Spanner. C. D.