Nicht weit von der Rennbahn Hamburg-Farmsen, Schauplatz des Deutschen Derbys der Windhunde, macht die U-Bahn der Linie 1 halt. Vom Oval der Rennbahn her schallt das vielfache Echo der Barsois, Salukis, Whippets und Greyhounds. Im "Hasenfieber" genügt das Quietschen von Geleisen – schon sind Windhunde aus dem Häuschen.

Dieses Fieber ist schlimmer als richtiges Fieber. Es kann den Puls auf 300 Schläge in der Minute beschleunigen; es läßt die Hunde lüstern schaudern; ihr Bellen kommt heiser vor Erregung, und ein Mann muß all seine Kraft aufbringen, um das Tier zu halten. Was den Hasen betrifft: Er erinnert an einen Badevorleger. Eine Maschine zieht den Fetzen um die Bahn. Der Controller achtet darauf, daß der Abstand zu den hetzenden Hunden zehn Meter nicht überschreitet. Vermutlich wissen die Hunde, daß der Hase ein Badevorleger ist. Trotzdem rennen sie hinterher.

Sind dann wenigstens die Hunde richtige Hunde? Auch darüber läßt sich streiten. Die Besitzer selbst nähren Zweifel. Treffen sich zwei "Frauchen" beim Deutschen Derby: "Ja, grüß dich, ich schau mir grad deine Kinder an – süüüß!"

"Grüß dich auch – jaaa, kommt her zu Mama!"

"Ach ihr habt nur Jungs, keine Mädels?"

"Jaaa – neulich hab’ ich den Jungs ’ne Strumpfhose gegeben; acht Mann zogen dran! Hab’ gar nicht gewußt, wie lang ’ne Strumpfhose werden kann .. ., jaaa, kommt zu Mama!"

Jetzt geht es wirklich los. An der Reihe sind sechs Vorläufe der Afghanen-Rüden über 480 Meter; zurückgelegt werden sie in circa 38 Sekunden. Die ersten beiden eines Laufes qualifizieren sich für das Halbfinale. Ob Onyx el Banjas unter den beiden sein wird?