Ein Supersommer, eine hervorragende Saison, so heißt es an der Küste wie in den Bergen. Und auch der Herbst verspricht ein gutes Geschäft für die deutschen Ferienorte.

Mehrere Faktoren kamen zusammen, um Deutschland in diesem Sommer als Ferienziel so beliebt zu machen. Die politische Situation, vor allem der Bürgerkrieg in Jugoslawien, ließ viele Urlauber an die Nord- und Ostsee oder nach Bayern ausweichen. Auch Umweltprobleme und hohe Preise andernorts kamen der Heimat zugute. Ein übriges tat außerdem das ausgezeichnete Wetter.

Hervorragend lief schon der Sommer 1990 für Schleswig-Holstein mit Zuwachsraten von zehn Prozent. Diese Zahlen sind nun noch einmal übertroffen worden. Gerd Kramer, Geschäftsführer des Fremdenverkehrsverbandes, spricht von einem "Spitzenergebnis". Nicht nur an den Küsten, auch im früher nicht so begehrten Binnenland stiegen die Übernachtungen, mancherorts waren die Betten knapp. Auch für den Herbst wurde bereits viel gebucht.

Ähnliche Resultate zeigen sich an der Nordsee und in Niedersachsen. Auch hier hatte es schon im Jahr zuvor einen außergewöhnlichen Zuwachs gegeben, der nun noch einmal beachtlich gesteigert wurde. Die Sehnsucht nach Urlaub in einem krisenfreien Gebiet und nach intakter Natur sieht Geschäftsführer Dirk Barlage als einen der Gründe für den Trend zum Urlaub im eigenen Land. Ein Gutteil der Steigerungen ist auch den Gästen aus den neuen Bundesländern zu verdanken. Während die kleinen Nordseeinseln an den Rand ihrer Kapazität kamen, konnten die Regionen im Binnenland besonders deutlich ihre Gästezahlen steigern, so vor allem das Elbe-Weser-Dreieck, das Ammer- und das Emsland sowie das Cloppenburger Land. Auch wer jetzt erst an die Nordsee will, sollte sich rechtzeitig um ein Bett kümmern.

Ausgezeichnet verlief die Sommersaison in Bayern, der Nummer eins unter den deutschen Feriengebieten. Womöglich wird sogar die Rekordzahl von hundert Millionen Übernachtungen erreicht. Am meisten zugelegt haben gerade die Gebiete, die auch eine Zunahme gut verkraften können: Niederbayern mit dem südlichen Bayerischen Wald, Oberfranken und die Oberpfalz, alles Regionen, die vor allem von den Urlaubern aus den neuen Bundesländern profitierten. Auch wenn die Amerikaner und Japaner scharenweise weggeblieben sind, die Inländer konnten das leicht wieder wettmachen. Den weltweiten Trend zum Urlaub im eigenen Land, die politischen Krisen, aber auch das günstige Preis-Leistungs-Verhältnis in Bayern sieht Fremdenverkehrschef Gottfried Linke als Grund für das hervorragende Abschneiden.

Auch Baden-Württemberg hatte eine gute Saison, die Quartiere am Bodensee und im Schwarzwald waren praktisch ausverkauft. Hier verdankt man ebenfalls vor allem dem Wetter die besondere Saison. Traditionell gut läuft der Herbst, wenn Weintrinker und Wanderer kommen. Da könnte es auch am Rhein und an der Mosel an den Wochenenden knapp werden mit den Quartieren, in Rheinland-Pfalz verlief der Sommer ebenfalls positiv.

Selbst in einer Region, die vornehmlich von Kurzurlaubern lebt, in Westfalen, spricht man von "der besten Saison aller Zeiten". Als Pluspunkte seines Verbandsgebietes sieht Geschäftsführer Jürgen Mensendiek das unprätentiöse Angebot in einer ruhigen Landschaft, in der das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Besonderen Zuwachs konnte das Münsterland verzeichnen Das Interesse an Sauer- und Siegerland ist vor allem bei Südwestdeutschen und den neuen Bundesbürgern gestiegen.