Wer wüßte wohl zu sagen, wo sie liegt – die "Rauhe Alb"? Selbst wer den wolkig-gewundenen Begleittext zum gleichnamigen Bildband (Verlag des Schwäbischen Albvereins, Stuttgart; 112 S., 33,– DM) liest, kommt lange nicht dahinter. Irgendwann verdichtet sich dann aber der Verdacht, daß die Rauhe Alb mit der Schwäbischen Alb identisch ist und daß sie in Baden-Württemberg liegt. Es gehört schon eine besondere Kunst dazu, einfache Informationen so verschwiemelt auszudrücken, daß sich der Leser nachgerade genarrt fühlt. Man könnte die Sache auf sich beruhen lassen, träte hier nicht ein häufiges Dilemma von Bildbänden exemplarisch zutage, nämlich die qualitative Diskrepanz zwischen Bild und Text.

Das gut ausgewählte Titelphoto macht neugierig auf eine deutsche Landschaft, die ein wenig im Abseits liegt, kaum bekannt bei jenen, die nicht mit ihr aufgewachsen sind und sie deshalb mögen. Keine spektakuläre Gegend – aber von herber Schönheit und auf ihre schlichte Weise faszinierend –, so wie sie der Photograph Thomas Pfündel dem Betrachter vermittelt. Seinen ruhigen Schwarzweißphotos merkt man an, wie bewußt er hingeschaut hat, und wer den Band zur Hand nimmt, läßt sich gern von dieser Sehweise gefangennehmen. Oft bestimmt das Wetter, bestimmen Wolkenformationen die Dramaturgie des Bildes, verschneite Telegraphenmasten vermitteln Landschaft von einer Weitläufigkeit und Einsamkeit, wie sie der Städter kaum noch zwischen Nordsee und Alpenrand vermutet. Nur möchte man dann im Text zu diesem Band gern mehr über die rauhe Alb erfahren, mehr Klares und Konkretes. Man möchte informiert werden über ein Stück deutscher Provinz, ohne sich einem sprachlichen Provinzialismus ausgesetzt zu sehen, dessen Inhaltslosigkeit an Fremdenverkehrsprospekte erinnert.

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