Der Tunnel unter den Gleisen, die Gleise auf dem Schotter – was da war, ist stillgelegt und wurde so gelassen, wie es gewesen ist. Durch den Schotter sickert Öliges und Wässeriges auf die Tunneldecke, die es durch eine Bruchstelle läßt, wo eine Kalkschicht Gries gebildet hat. Zu einem Buckel ist sie ausgewachsen.

Abfallen kann der Buckel nicht, weil es nie ganz trocken ist da oben. Sein bläuliches Farbengemisch blinzelt auf eine Kachel, die in der obersten Reihe der Tunnelwand sitzt und vor sich hin dunkelt. Wackelig ist sie noch nicht, millimeterweise gerät sie aber aus den Fugen, doch der Hintergrund läßt nicht los. Der Tunnel muß zulassen, was da die Luft durchfegen will, das Rein-undraus mischt für die Kachel eine Art Kleister.

Die Glasur hat ihre Nadelrisse. Ziemlich in der Mitte ist sie aber geplatzt, ließ sich jedoch Zeit, um die Stelle zu füllen, und kriegte einen Mischmasch aus Gelblichgrün zusammen; grün ist der Untergrund sowieso, und das ist nicht mehr als ein Punkt, der bläht sich auf, nimmt, was die säuerliche Luft ihm läßt, mal als Überzug, mal als Klecks. Die Nadelrisse begnügen sich mit einem Rand da herum. Ein Höcker wird daraus mit Rillen und Tiefen, bläht sich nicht mehr auf, sondern wuchert. Als ob der Buckel an der Tunneldecke mitmachen will, läßt er es an allen Enden tropfen, und hört das auf, festigen sich die Tropfen und bleiben erst einmal hängen.

Der Höcker auf der Kachel bricht die Nadelrisse immer weiter auf, in dem Lichtgeplänkel sieht das aus wie ein glitzerndes Bukett, hochgehalten für den Buckel an der Tunneldecke, der die gleiche Höhe nur hält, wenn es zu den Tropfen kommt.