Eine alte, neue Botschaft des Schreckens: Die Menschen sind dabei, den eigenen Planeten zu zerstören; das Vernichtungswerk vollzieht sich in rasendem Tempo. Wird durch diese Erkenntnis noch jemand vom Stuhl gerissen? Haben das nicht alle Regierungen längst begriffen? Sie werden sich wohl nicht umsonst nächstes Jahr in Rio de Janeiro zur Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung treffen. Oder wird die Versammlung wieder nur ein Medienspektakel?

Die apokalyptischen Szenarien und die Appelle zum Einhalten auf dem Weg Verderben mehren sich inflationär – entschiedene Maßnahmen zum Gegensteuern lassen aber auf sich warten. Seit mehr als einem Jahrzehnt liegt ein umfängliches Buch mit dem Titel "Global 2000" vor, geschrieben auf Geheiß des damaligen amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter; darin sind alle verhängnisvollen Trends fein säuberlich aufgelistet. In den Bücherschränken steht seit fünf Jahren auch der Brundtland-Report, in dem die Vision einer nachhaltigen Entwicklung skizziert wurde. Selbst die vielgescholtene Weltbank gibt jene Weltentwicklungsberichte heraus, die eine wahre Fundgrube für die Kritiker der herrschenden Wirtschaftspolitik sind.

Nur: Das Ruder wird deswegen noch lange nicht herumgerissen. Die Zahl der Hungerleidenden auf der Erde wird größer. Trotz aller Entwicklungshilfe zahlt die Dritte Welt mehr an die Reichen als umgekehrt. Und: Noch nie hat die gesamte Menschheit die Natur so rücksichtslos ausgebeutet, daß nun wegen des Treibhauseffektes das Überleben von Millionen gefährdet ist. Nein, Überraschendes steht nicht im jüngsten Aufruf zur Umkehr:

  • Die Globale Revolution

Bericht des Club of Rome 1991 Spiegel-Verlag; 130 S., 6,– DM

Der Club der hundert Weisen aus Wissenschaft und Industrie machte erstmals 1972 von sich reden, als in seinem Auftrag Dennis Meadows vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) mit dem Bestseller über die Grenzen des Wachstums die saturierte Öffentlichkeit des Westens aufschreckte. Die jetzige Veröffentlichung ist keine Auftragsarbeit, sondern trägt die Unterschrift der gesamten Club-Gemeinschaft.

Warum "Globale Revolution"? Im Gegensatz zur neolithischen Revolution, als die Menschen seßhaft wurden, und zur industriellen Revolution erfassen die gegenwärtigen Veränderungen der Wirtschaft, der Technik, des Gemeinschaftslebens, der Kultur und der natürlichen Umwelt die Menschen in allen Teilen der Erde gleichzeitig und mit bisher unbekannter Wucht – ein unheimlicher Prozeß, von dem die Menschen zwar fundamental betroffen sind, den sie aber bisher nur völlig unzureichend zu steuern in der Lage sind.